Globale Dialoge
(Deutsch) ’05 Kulturschaffen und Alltag von Frauen im globalen Süden

Arbeitswelten von Frauen


Das weltweit meistgenutzte Kommunikationsmedium von Frauen ist Radio. Selbstbewusst lernen sie technische Details und journalistische Möglichkeiten, um den Hörfunk für Informationsarbeit, kommunale Friedensarbeit und allgemeines Empowerment von Frauen zu nutzen. Zur neuen Handfertigkeit kommt auch der Spaß: die Freude am Zusammenarbeiten, die Freude, in öffentlichen Räumen präsent zu sein, die Freude an der Arbeit mit Musik, die Freude an der Ernsthaftigkeit der eigenen Arbeit…

In Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika gehen die Frauen in Community Radios “on Air”. Dies haben auch mehr als 30 engagierte Frauen seit März 2005 in Wien getan. Im Rahmen der Globalen Dialoge konnten Expertinnen aus der Entwicklungspolitik, dem Menschrechts- und dem kulturschaffenden Bereich, Mehrheitsösterreicherinnen und Migrantinnen als “Women on Air” Fertigkeiten bezüglich Hörfunkproduktion lernen, erproben und verfeinern.

Mehr als 50 Interviews, Features, Künstlerinnen- und Aktivistinnenportraits und Sachbeiträge entstanden zwischen März und September 2005, die sich mit dem Alltag und dem Kulturschaffen von Frauen im globalen Süden auseinandersetzen.

Globale Dialoge ist ein Projekt von ORANGE 94.0 in Kooperation mit der Zeitschrift

BEST-OF-CD 2005


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Alltag von Frauen

1. Besser. Fair. | 12:43 | Karin Okonkwo-Klampfer & Silvia Pitscheider

Arbeitsbedingungen von Frauen in der Blumenindustrie

Dieser Beitrag informiert über die Arbeitsbedingungen von Frauen in der Blumenindustrie und über die Entscheidungsmöglichkeit der Konsument_innen, Blumen zu kaufen, die unter sozial- und umweltgerechten Bedingungen hergestellt werden. Über 30% der in Österreich verkauften Schnittblumen stammen derzeit aus einem lateinamerikanischen oder afrikanischen Land. Wurden einerseits dadurch zahlreiche Arbeitsplätze für Frauen geschaffen, so sehen auf der anderen Seite die Arbeitsbedingungen ganz und gar nicht rosig aus. Übermäßig lange Arbeitstage, nicht bezahlte Überstunden und das Fehlen von Arbeitsverträgen gehören zum Alltag der Blumenarbeiterinnen und der tägliche Kontakt mit Pestiziden verursacht schwere Gesundheitsschäden. Haarausfall, Kopfschmerzen und sogar Fehlgeburten sind die Folgen des täglichen Kontakts mit Giftstoffen.
Jedoch stammen nicht alle Schnittblumen aus Plantagen mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Weltweit gibt es 60 Produktionsstätten, die jährlich auf Sozial- und Umweltverträglichkeit geprüft werden und sich FLP-Farmen nennen dürfen. FLP oder Flower Label Program ist ein Gütesiegel welches garantiert, dass Blumen unter fairen Arbeitsbedingungen produziert werden. Damit können Konsument_innen entscheiden „BESSER.FAIR.“ einzukaufen und nach fair produzierten Blumen zu fragen.

 

2. Gairan Tsetseg. | 12:41 | Josefa Rial & Charlotte Müller-Neumayer

Eine Schamanin aus dem Norden der Mongolei zu Gast in Österreich

Während eines Aufenthaltes in Österreich hatten Josefa Rial, Helga Neumayer vom Verein „Frauensolidarität“ und Charlotte Müller-Neumayer vom Kulturverein „Kulturraum 10“ die Gelegenheit mit der Schamanin „Mama“ Gairan Tsetseg ein Gespräch zu führen und sie zu ihrem Leben in ihrem Land, über ihr Vok und über ihre Heilkräfte zu befragen.
Gairan Tsetseg ist das Oberhaupt eines kleinen indigenen Nomadenstammes, dem TSATAAN Rentier-Züchtervolk, das in den fast geschlossen dichten Wäldern im Norden der Mongolei lebt. Ihre Heilkräfte bezieht sie aus dem Leben inmitten der unberührten Natur dieser Landschaft, in der sie mit ihrem Volk in Zelten lebt.
Jahrzehntelang wurde in der Mongolei Schamanismus unterdrückt und verboten, mit der Verabschiedung einer demokratischen Verfassung im Jahre 1992 wurde die ungehinderte Ausübung der Religionen (Buddhismus, Lamaismus, Schamanismus) möglich gemacht.

 

3. Sonne, Sex, Exotik. | 12:47 | Ulla Ebner

Sextourismus in der Dominikanischen Republik

Tausende Österreicher_innen bereisen jedes Jahr die Dominikanische Republik. Doch die Karibikinsel ist nicht nur bekannt für ihre paradiesischen weißen Sandstrände, sondern entwickelt sich seit Ende der 1980er Jahre auch zu einer beliebten Sextourismusdestination für Frauen und Männer aus Europa und den USA. Einschlägige Websites und Männerforen im Internet bewerben die Inselrepublik als sexuelles Paradies mit heißblütigen Frauen, wo alles erlaubt ist.
Jedoch sind nicht nur Frauen betroffen. Ein Problemfeld stellt die Kinderprostitution dar. In einer 1994 von der UNICEF publizierten Studie wurde die Anzahl der minderjährigen Sexarbeiterinnen in der Dominikanischen Republik bereits auf über 25.000 geschätzt. „Und das alles wird toleriert. Die Polizei spielt Räuber und Gendarm mit den Kindern, aber alle wissen, dass es nur ein Spiel ist,“ erzählt die dominikanische Soziologin Clara Baez. Anhand des Fallbeispiels Boca Chica, einem Urlaubsort an der Südküste der Dominikanischen Republik, erklärt sie uns, was dies für die lokale Bevölkerung bedeutet, welche Möglichkeit sie hat, am Tourismussektor zu partizipieren und wie es sein kann, dass trotz der hohen Einnahmen durch Tourismus Armut, Prostitution und Gewalt am Land ständig steigen.

 

4. Everything is Political. | 12:44 | Sonja Rappold & Silvia Pitscheider

Millennium Development Goals und Weltfrauenkonferenzen

Die Millennium Development Goals – kurz MDGs – sind ein politisches Programm der Vereinten Nationen, welches im September 2000 verabschiedet wurde. Die Millenniums-Entwicklungsziele, wie sie auf Deutsch heißen, waren eine Reaktion auf das Scheitern der Strukturanpassungsprogramme der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in den Ländern des Südens. Diese sind mit ihren Maßnahmen wie Privatisierung, Exportproduktion, Währungsstabilisierung etc. gescheitert bzw. haben statt Armut zu beseitigen noch mehr Armut verursacht. Die MDGs sind acht ganz klar forumlierte Ziele, die bei genauerer Betrachtung als Täuschmanöver entlarvt werden. Sie lenken von den eigentlichen Verursachern der Armut ab, geben vor, patente Lösungen parat zu haben und schweigen darüber, dass es gerade aus frauenpolitischer Sicht revolutionäre Abkommen wie die CEDAW und mutige, umfangreiche Programme wie die Aktionsplattform von Beijing gibt. In diesem Beitrag beleuchtet die Soziologin Christa Wichterich die Millenniumsziele kritisch und zieht Bilanz über deren Auswirkungen auf Frauen weltweit.

 

Philippine Domestic Workers in Hong Kong and Other Places

Discussion by Philippine activist and artist Corazon Amaya-Cañete, Austrian photo/video-artist Moira Zoitl and Austrian cultural-anthropologist Sonja Rappold on the topic of domestic workers at the intersection point of art and socio-political critics/activism. Corazon Amaya-Cañete’s photo-works were shown at the „Fotogalerie Wien“ as part of Moira Zoitl’s project „Chat(t)er Gardens. Stories by and about Filipina Workers“. Her project aimed at being a platform for statements of women artists. In her expressive and colourful pictures photographer Corazon Amaya-Cañete – who lives and works in Hong Kong – reflects structures of socio-political activism and documented forms of resitance against restrictive migration laws by the Hong Kong government. More than 218.000 foreign domestic workers live in Hong Kong, 98% come from the Philippines. As regards the situation of domestic workers in Austria, migrant women are completely invisible and hardly have access to labour-rights – working conditions mostly depend on the „goodwill“ of their employers. Domestic workers therefore develop various creative strategies for their own empowerment and networking efforts. In a most impressive manner Corazon Amaya-Cañete shows (and tells) how visible and powerfull women can be when they get together.

 

The Work of Mauritian Author Lindsey Collen

Lindsey Collen ist heute eine unüberhörbare Stimme des südlichen Afrika in der Weltliteratur. In Südafrika aufgewachsen ließ sie sich Anfang der 1970er Jahre in Mauritius nieder, wo sie im Kulturbereich arbeitet. Sie ist Aktivistin gegen die skrupellose Absiedelung der Bewohner_innen der Insel Diego Garcia. Sie wurden zugunsten einer US-amerikanischen Atom-Militärbasis von dieser zu Mauritius gehörenden Insel vertrieben. In ihrem Roman „Mutiny“ beschreibt sie das Trauma der Vertreibung. Heute ist die Autorin Aktivistin einer internationalen Bewegung gegen Militärbasen weltweit, die beim Weltsozialforum 2004 in Bombay einen Auftrieb fand.
Ihren Durchbruch schaffte Lindsey Collen mit dem Roman „Sita und die Gewalt“ (1993), für den sie 1994 den Commonwealth Writers Price für den besten Roman Afrikas bekam. Dieser Roman brachte ihr aber auch gleichzeitig durch die tabubrechende Thematisierung von Vergewaltigung die lebensbedrohende Verfolgung von Hindufundamentalisten ein. Nach mehreren Romanen stellt „Boy“ (2004) den Höhepunkt ihres literarischen Schaffens dar, 2005 erhielt Lindsey Collen dafür zum zweiten Mal den Commonwealth Writers Price. Dieser Roman erschien ursprünglich in der Umgangsprache Kreol.

 

 

Kulturschaffen von Frauen

1. Forró. | 13:14 | Ulla Ebner

Musik „für alle“ aus Nordost-Brasilien

Der Forró ist ein folkloristischer Musikstil aus Nordost-Brasilien, der traditionellerweise mit Harmonika, Triangel und einer Trommel namens Zabuma gespielt wird. Der Begriff stammt angeblich vom englischen „for all“. Zur Verbreitung dieser Musik im Rest des Landes trugen vor allem Migranten und Migrantinnen aus dem Nordosten bei. Diese Region gilt als das Armenhaus Brasiliens und es findet seit den 1950ern eine starke Binnenmigration in die Großstädte des Südens, vor allem nach Sao Paolo und Rio de Janeiro, statt. Doch dort wurde der Forró von der städtischen Bevölkerung zunächst als hinterwäldlerische Bauernmusik angesehen und blieb lange Zeit eine Art Subkultur der zugewanderten Nordestinos. Die Erfahrung der Migration spiegeln sich auch in vielen Texten wider, die von Abschied und Fremdsein handeln.
Mittlerweile hat der Forró längst Einzug in die Clubs großer Städte wie Rio oder Sao Paolo gehalten und erfreut sich auch in Wien bei brasilianischen Migrant_innen, Österreicher_innen und anderen zunehmender Beliebtheit.
Isabel Lehner, eine in Österreich lebende Brasilianerin, erzählt über die Vorurteile der „Cariocas“ gegenüber der Kultur und den Menschen aus dem Nordosten, die Bedeutung des Tanzens sowie diesebezügliche kulturelle Unterschiede zwischen Österreich und Brasilien.

 

2. Yet Surviving. | 10:54 | Traude Pillai & Dilber Firat

Mitgiftmorde in Indien

Während eines Aufenthaltes in Österreich hatten Josefa Rial, Helga Neumayer vom Verein „Frauensolidarität“ und Charlotte Müller-Neumayer vom Kulturverein „Kulturraum 10“ die Gelegenheit mit der Schamanin „Mama“ Gairan Tsetseg ein Gespräch zu führen und sie zu ihrem Leben in ihrem Land, über ihr Vok und über ihre Heilkräfte zu befragen.
Gairan Tsetseg ist das Oberhaupt eines kleinen indigenen Nomadenstammes, dem TSATAAN Rentier-Züchtervolk, das in den fast geschlossen dichten Wäldern im Norden der Mongolei lebt. Ihre Heilkräfte bezieht sie aus dem Leben inmitten der unberührten Natur dieser Landschaft, in der sie mit ihrem Volk in Zelten lebt.
Jahrzehntelang wurde in der Mongolei Schamanismus unterdrückt und verboten, mit der Verabschiedung einer demokratischen Verfassung im Jahre 1992 wurde die ungehinderte Ausübung der Religionen (Buddhismus, Lamaismus, Schamanismus) möglich gemacht.

 

3. Feminismus rockt. | 13:05 | Veronika Mayr

Die brasilianische Musikerin Celia Mara

In einem Interview erzählt die brasilianische Musikerin Celia Mara, die seit 14 Jahren in Österreich lebt, von sich und ihrer Musik. Schon als Mädchen hat sie angefangen zu komponieren. Musik zu machen bedeutet für sie politische Inhalte zu transportieren. Auf ihrer neuen CD Bastardista spricht sie verschiedenste Themenbereiche des Lebens an und nimmt dabei stets Bezug zu der Rolle der Frau und auf die Geschlechterverhältnisse.
In dem Beitrag spricht sie von Menschenrechten, Politik und wie Menschen in Würde leben könnten. Sie vermitteln ihre Vorstellungen von Religiosität und deren Verbindung zur Demokratie. Weiters spannt sie den Bogen von der Geschichte der Unterdrückung der afrikanischen Sklav_innen in Brasilien zur Situation und Diskriminierung der Frau. Zum Abschluss appelliert sie an die weltweite Kommunikation und Solidarität zwischen Frauen und ermutigt, sich zusammenzuschließen um etwas zu bewegen.

 

Ein Portrait der indischen Poetin Sarita Jenamani

„I am a living in a cultural exile“, sagt Sarita Jenamani. Sie ist aufgewachsen im ostindischen Bundesstaat Orissa und vergleicht gerne das kulturelle und kreative Pulsieren in ihrer Heimatstadt Cuttack mit den lebendigen Traditionen in Wien – „art is in the air“, wie sie es beschreibt. Die kulturellen Brücken zwischen den Welten stellen ihre Übersetzungen von österreichischen und deutschen Literatinnen und Lyrikerinnen u.a. von Rosa Ausländer, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann ins Hindi dar. Ihre Gedichte schreibt sie jedoch vor allem in Oriya und Hindi – ihren Muttersprachen – und diese wurden in deutscher Übersetzung am 31. März 2005, dem Tag der Lyrik, von ihr selbst und Elfriede Ott in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur gelesen.

 

5. Weibliche Stimmen aus Südkorea. | 13:13 | Waltraud Zirngast

Zwei Literatinnen

Südkorea präsentiert sich bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse als Gastland. Das bietet die Gelegenheit, uns mit einem Land auseinanderzusetzen, in dessen Literatur sich nicht nur spannende Themen finden, sondern auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Stilen und neuen literarischen Mustern. Die Literatur spielt in der koreanischen Öffentlichkeit eine große Rolle. Bemerkenswert dabei ist, dass Autorinnen ebenso prominent vertreten sind wie Autoren. Zwei Schriftstellerinnen werden im Beitrag vorgestellt.
Oh Jung-hee gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen des Landes. Meist steht in ihren Werken das Schicksal von Frauen im Mittelpunkt. In ihrem Roman „Vögel“ beschreibt sie die Geschichte eines 12-jährigen Mädchens, das mit ihrem Bruder am Stadtrand von Seoul allein zurück gelassen wird.
Sin Kyongsug ist eine weitere bedeutende Autorin Südkoreas. „Das Zimmer im Abseits“ ist ein autobiografischer Roman, in dem das Leben einer jungen Frau beschrieben wird, die ihre ländliche Heimat verlassen muss, um als Fabrikarbeiterin ihr Auskommen zu finden. Eindrucksvoll werden die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen in einem Industrieviertel Seouls beschrieben.

 

6. Mitra Shamoradi-Strohmaier. | 12:45 | Iris Wrana

Eine persiche Künstlerin in Wien

Der vorliegende Beitrag porträtiert die in Wien lebende persische Künstlerin Mitra Shamoradi-Strohmaier. Sie ist im Iran geboren und hat dort ein Gymnasium für Malerei sowie ein Studium an der Decorative Art Academy in Teheran absolviert. 1979 ist sie nach Österreich gekommen und hat an der Universität für Angewandte Kunst in Wien den Titel Mag.a art erworben. Malerei und Grafik sind ihre erlernten Hauptfächer, doch in den letzten Jahren hat sich die vielseitige Künstlerin auch mehr und mehr der Lyrik verschrieben. Sie kombiniert die leuchtenden Farben ihrer Bilder mit der Kraft und Fülle ihres sprachlichen Reichtums. Dabei hat sie eine besondere Sensibilität für die Vorkommnisse in der Natur und in ihrer Umwelt entwickelt. Sie engagiert sich durch ihre Kunst in interkulturellen Frauenfragen und präsentiert ihre Werke regelmäßig bei Ausstellungen in Österreich und auch international. Darüber hinaus unterrichtet Mitra Shamoradi-Strohmaier und leitet Workshops. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

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