Globale Dialoge
’06 Frauen leben Veränderung

Lateinamerika – Karibik – Europa


Der in Wien abehaltene EU-Lateinamerika-Gipfel im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im Mai 2006, ermöglichte den „Women on Air“ eine genderspezifische Berichterstattung zu Themen, Lebenswelten, Anliegen, Problemen und Lösungsansätzen von Frauen in Lateinamerika und der Karibik. Dabei wurden aber auch die langfristigen gegenseitigen Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika aufgezeigt.

„Women on Air“ waren gemeinsam mit 40 Radiomachenden von Freien Radios in Lateinamerika und Europa Teil des Alternativengipfelradios, das zeitgleich mit dem Gipfelgeschehen international ausgestrahlt wurde.

Globale Dialoge ist ein Projekt von ORANGE 94.0 in Kooperation mit der Zeitschrift

BEST-OF-CD 2006


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1. Gewalt gegen Frauen | 12:44 | Ines Fohler & Verena Rassmann

Frauen gegen Gewalt

Gewalt ist ein „normaler“ Teil des täglichen Lebens vieler Frauen in Lateinamerika. In jeder Region zeigt die Gewalt spezifische Charakteristika. Die mexikanische Stadt Ciudad Juárez erlangte durch die Frauenmorde, die in der Region verübt werden, traurige Berühmtheit. Die Menschenrechtsaktivistinnen Andrea Medina Rosas und Maria del Mar Monroy Garcia berichten über die Ignoranz der staatlichen Behörden und die Bemühungen zivilgesellschaftlicher Organisationen um Aufklärung und einen fairen Zugang zur Justiz.
Auch in Kolumbien fordert die Frauenbewegung ein Ende der Menschenrechtsverletzungen, die hier durch den herrschenden Bürgerrechtskrieg ausgelöst werden. Die Kolumbianerinnen Elena Giraldo und Betty Puerto fordern eine Entmilitarisierung des Lebens und eine politische Lösung des bewaffneten Konflikts. Dazu informieren sie in ihren Aktionen die Bevölkerung über ihre Rechte und hoffen dabei auch auf internationale Unterstützung.
In beiden Ländern kämpfen Frauen darum, nicht vergessen zu werden und versuchen über Aufklärungskampagnen im In- und Ausland dem entgegenzusteuern. Die Sendung soll einen Beitrag zu dieser Bemühung leisten.

 

2. Der Rhythmus der Emanzipation | 13:02 | Ulla Ebner

Frauen-Samba aus Bahia

Bahia, im Nordosten Brasiliens, ist Zentrum der afrobrasilianischen Kultur und Geburtsstätte des „Sambareggae“, einer Mischung aus traditionellem Samba de Roda und jamaikanischem Reggae. Die Hauptstadt Salvador wird von zahlreichen „Afro-Blocos“ belebt, die mit ihren Samba-Trommeln durch die Straßen ziehen. Großteils Männergruppen, versteht sich. Denn Trommeln ist schließlich Männersache… Doch da sticht eine Gruppe besondern heraus: Didá, die (vermutlich) einzige Frauensambaschule Brasiliens.
„Am Anfang waren die Männer gar nicht begeistert davon, als auch wir begannen, Samba-Reggae zu spielen. Sie hatten Angst, wir könnten in ihre Welt eindringen und unsere Rolle als Hausfrauen und Mütter vernachlässigen… Und alles wovor sie Angst hatten, ist auch tatsächlich eingetreten!“ erzählt Viviam Queiros, die Präsidentin der Schule.
Didá ist mehr als nur eine Musikschule. Die Mädchen kommen großteils aus Favelas, den Armenvierteln am Stadtrand von Salvador, die von Arbeitslosigkeit, Gewlat und Drogen geprägt sind. Das Ziel von Didá ist es, diesen Mädchen mit Hilfe von Kultur eine neue selbstbewusste Identität als Frauen sowie als Afrobrasilianerinnen zu geben.

 

3. Muxes. | 13:47 | Andrea Hiller & Josefa Rial

Das „dritte Geschlecht“ in Mexiko, Juchitán, die Stadt der Frauen

In der südmexikanischen Kleinstadt Juchitán existiert eine einzigartige, von Frauen dominierte Gesellschaft, in der nicht nur zwei Geschlechter als gesellschaftliche „Rollen“ zur Verfügung stehen. Transgender-Personen, die sich mit der gegengeschlechtlichen Rolle identifizieren, nennt man Muxes und Marimachas, ein so genanntes drittes Geschlecht, das als mögliche Lebensform toleriert wird.
Muxes sind Männer, die sich als Frauen fühlen, meist auf Männer „stehen“ und in für sie reservierten Berufen arbeiten. Es ist das „Muxeísche“, das den Muxe´ ausmacht – die Art zu gehen, zu sprechen, sich zu kleiden und zu schmücken. Auch wenn ein Muxe männlich gekleidet ist, erkennt man ihn an seiner Gestik und Bewegung. Muxes können mit Männern oder Frauen zusammen sein, ein Mann der mit ihnen ein Verhältnis hat, gilt allerdings nicht als homosexuell. Sie arbeiten meist in bestimmten kreativen Berufen, tragen sehr viel zur Festkultur bei und sind in Südmexiko in ihrer Rolle gesellschaftlich anerkannt.

 

4. Symbol für den Widerstand | 13:01 | Helga Neumayer

Die Schwestern Mirabal

Im Jahr 1960 lässt der dominikanische Diktator Trujillo die drei oppositionellen Schwestern Mirabal in einem Hinterhalt brutal ermorden. 1981 wird der Todestag der drei Frauen – der 25. November – zum „Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen“ ausgerufen. Heute begehen Frauenorganisationen in aller Welt diesen Tag feierlich, um im öffentlichen Raum auf jene Gewalt hinzuweisen, die speziell den Rechten von Frauen und Mädchen entgegensteht. Und um ihren Anliegen von Demokratie und Würde Ausdruck zu verleihen.
Wer aber waren die drei karibischen Frauen Patria, Minerva und Maria Terésa Mirabal, welche Geschichte ging ihrer Ermordung voraus? Und was wurde aus der politischen Bewegung, die Minerva Mirabal im Untergrund formierte?
Die Geschichte der Schwestern Mirabal, die in der Dominikanischen Republik gleichsam wie Natonalheiligtümer verehrt werden, dringt langsam auch ins Ausland. Die US-amerikanische Autorin Julia Álvarez, die als 10-jährige im Jahre 1960 mit ihrer Familie vor dem Trujillo-Regime aus der Dominikanischen Republik geflohen war, widmete den drei Schwestern einen ganzen Roman: „Die Zeit der Schmetterlinge.“

 

5. Schwarzes Gold aus grünen Wäldern | 12:34 | Veronika Mayr

Erdölabbau in den Amazonaswäldern Ecuadors

Der Erdölabbau im Amazonasgebiet Ecuadors führt zu Umweltverschmutzung und -zerstörung und gefährdet so den Lebensraum der dort lebenden indigenen Gemeinschaften, während die Gewinne zum Großteil ins Ausland fließen.
Die österreichische NRO „Klimabündnis“, die Partnerschaften mit indigenen Völkern im Amazonas unterhält, hat die peruanische Rechtsanwältin Lily de la Torre und David Malaver Santi, den Vertreter der Quichua-GEmeinde Sarayacu in Ecuador, eingeladen. Sie berichten in einem Interview von den Auswirkungen der Erdölförderungen auf das Leben der Indigenas, der besonderen Rolle der Frauen im Kampf gegen die Erödlfirmen und wie sie auf rechtlichem Weg gegen diese vorgehen.
Am Schluss des Beitrages erklären sie, warum die Delegationsreise nach Europa für sie große Bedeutung hat. Zusätzlich enthält der Beitrag Hintergrundinformationen, Zahlen, Daten und Fakten – recherchiert von „Viva Amazonía“ – zum Thema.

 

Im Gespräch mit Paul Singer, brasilianischer Staatssekretär für Solidarökonomie

Ist eine Wirtschaft jenseits vom kapitalistischen Wettbewerb möglich?
ArbeiterInnen in den krisengeschüttelten Ländern Lateinamerikas zeigen, dass es auch Alternativen gibt. Als die Inflation galoppierte und die Arbeitslosigkeit explodierte, wurden viele bankrotte Betriebe von den Arbeiter_innen selbst übernommen und auf demokratische Weise weitergeführt. Heute unterstützen einige Regierungen, wie etwa jene Venezuelas oder Brasiliens, aktiv solche alternativen Wirtschaftsformen.
Der in Österreich geborene Wirtschaftswissenschafter Paul Singer musste 1940 auf der Flucht vor den Nazis nach Brasilien migrieren und ist heute Staatssekretär für Solidarische Ökonomie in der Regierung Lula. Im Gespräch mit „Women on Air“ erörtert er, inwiefern Wirtschaft überhaupt solidarisch sein kann, wie sich solidarisch geführte Betriebe in einer kapitalistischen Marktwirschaft behaupten können und warum solidarische Ökonomie auch eine feministische Ökonomie ist.

 

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