Globale Dialoge
’08 Literatur erzählt Kultur

Das Verhältnis zwischen Literatur und Kultur


Globale Dialoge setzt 2008 auf Kulturschaffen – insbesondere die Literatur – als Schauplatz, Träger und Multiplikator des interkulturellen Dialogs, mit entwicklungspolitischer Aktualität. Im „Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs“ stehen Literatinnen aus verschiedenen Teilen der Welt im Mittelpunkt der Sendereihe.

Die Frauensolidarität als Bibliothek und Dokumentationsstelle steht in ständiger Verbindung mit der Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. in Frankfurt, die u.a. speziell literaturschaffende Frauen aus dem Süden fördert. Weiters hat die Frauensolidarität langjährige Erfahrung in der direkten Zusammenarbeit mit LiteratInnen aus dem Süden.

Die Redaktionsgruppe „Women on Air“ stellt Literatinnen vor, die aufgrund ihres literarischen Werkes aktiv an der Gestaltung und Veränderung von wirkungsmächtigen Diskursen teilnehmen. Der kulturelle Beitrag der Literaturen entfaltet sich dabei in der Auseinandersetzung mit ihnen.

Globale Dialoge ist ein Projekt von ORANGE 94.0 in Kooperation mit der Zeitschrift

BEST-OF-CD 2008


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Ishraga Mustafa Hamid im Portrait.

„Schreiben ist für mich ein Weg zur Selbstbefreiung“, erzählt die Dichterin Ishraga Mustafa Hamid. Ishraga kommt ursprünglich aus dem Sudan und lebt seit 1993 in Wien. Ihr Lyrikband „Trotzdem singe ich“ enthält Gedichte in deutscher Sprache. Doch Ishraga ist nicht nur Literatin, sondern auch Kommunikationswissenschafterin und politische Aktivistin. Sie hält Lehrveranstaltungen über Sexismus und Rassismus an der Universität Wien, engagiert sich im Sudan für Frauen in ärmlichen Regionen und in Österreich für Migrantinnen.
Im Gespräch mit „Women on Air“ erzählt sie, was sie nach Wien verschlagen hat, warum sie sich hier zum ersten Mal „Schwarz“ gefühlt hat, was Schreiben und Geburtswehen gemeinsam haben und was es mit ihrem geheimnisvollen Freund Shabril auf sich hat.

 

2. Wenn die Zeit einfriert. | 10:53 | Waltraud Zirngast & Ulla Ebner

Anna Kim über ihren neuen Roman.

Ist es überhaupt möglich ein Geschehnis von so einem schrecklichen Ausmaß, wie die Kriegsgräuel am Balkan, in Sprache zu fassen?
Seit Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien wurden dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes mehr als 30.000 Menschen als vermisst gemeldet. Bis heute konnten etwa 15.000 Tote identifiziert werden. Das ist der Hintergrund von Anna Kims Geschichte: die Suche eines Kosovo-Albaners nach seiner verschwundenen Frau und das allmähliche Eindringen der Ich-Erzählerin in das Trauma eines ungreifbaren Verlusts.
Die Recherchen zu ihrem Buch haben Anna Kim selbst in den Kosovo geführt, wo sie sich sowohl mit Leben, Kultur und Traumata der Menschen in den ehemaligen Konfliktregionen beschäftigt hat wie auch mit den Methoden der forensischen Mediziner_innen, der Anthropolog_innen, der UN-Berichterstatter_innen.

 

3. Der Spiegel, den Wir brauchen? | 10:28 | Aleksandra Kolodziejczyk & Anna Guentcheva

Ein Beitrag zur Debatte um „Literatur von MigrantInnen”.

Was haben Mircea Lacatus, Semir Plivac und Seher Çakir gemeinsam? Sie leben in Österreich, schreiben Literatur und sind Preisträger_innen des Verlags Exil. Schreiben sie gut? Ja. Doch was bewertet wird, sind nicht nur Stil, Ausdruck, sprachliche Mittel. Im Mittelpunkt des Interesses und der Bewertung stehen häufig die Herkunft der Autor_innen und ihre biografischen Geschichten. Und noch eins haben die drei Autor_innen gemeinsam. Als LiteratInnen werden sie nicht als Teil der österreichischen Literatur angesehen. Stattdessen ist die Rede von Migrant_innenliteratur oder neuerdings von multi- und interkultureller Literatur.
Wieso braucht es eigene Bezeichnungen für die literarischen Werke der Personen, die als Migrant_innen bezeichnet werden: also Menschen, die nach Österreich emigrierten; oder, die in Österreich geboren sind, aber deren Eltern aus einem anderen Land kommen? Welche Beweggründe führen zur Abgrenzung der Migrant_innen von der sog. österreichischen Literatur?

 

Eine „moderne” Frau im Kaschmir des Mittelalters.

Kaschmir im westlichen Himalaja im 14. Jahrhundert: ein Neben- und Miteinander von Buddhismus, Hinduismus und Islam. Eine strenge soziale Ordnung, hierarchisch gegliedert vom Taglöhner bis hinauf zu Adel und Herrscherhaus. Hier wird Lalla Ded Ishvari (ca. 1320 – 1390 n. Chr.) geboren – eine der wenigen bekannten weiblichen Mystikerinnen dieser Zeit. Lalla lehnt sich gegen die ihr zugeschriebene Frauenrolle auf, verlässt Ehemann und Schwiegereltern und widmet ihr Leben der Spiritualität und der Dichtkunst. Wie ein Märchen erzählt uns die Kinderbuchautorin Eva Maria Teja Mayer vom Leben und vom Vermächtnis dieser hinduistischen Heiligen.

 

5. Wege aus dem „reinen Labyrinth” | 10:43 | Helga Neumayer

Herausforderungen im Kulturschaffen von Frauen im Iran.

Kulturschaffende Frauen und Menschenrechtsaktivistinnen im Iran arbeiten unter Beschränkungen der Zensur und mit der Gefahr von rigorosen Strafen, dennoch sind Frauen der wichtigste Faktor in den politischen Geschehnissen des Landes, weil sie mit großem Mut in aller Öffentlichkeit Gesetz und Regierung herausfordern.
Im Beitrag kommen drei kulturschaffende Frauen vom Verlagswesen und aus dem Theater zu Wort, die in ihrem Bereich Erfolgreiches geleistet haben und weiterhin im Iran tätig sind. Die langjährig tätige Verlegerin Shala Lahiji musste für ihr hartnäckiges Eintreten gegen die Zensur auch schon im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis einsitzen. Dennoch denkt sie nicht ans Aufgeben: „Wenn ich nur ein bisschen Veränderung verursachen kann, dann ist das auch meine Pflicht, das zu tun. Es sei denn, sie lassen mich überhaupt nichts mehr tun.“

 

6. „The people that are we” | 10:52 | Margit Wolfsberger

Schriftstellerinnen in Ozeanien.

Ozeanien beflügelt seit dem 18. Jahrhundert die Phantasie vieler Europäer_innen und zahlreiche literarische Schriften und Reiseberichte bezeugen diese Faszination. Künstler_innen aus Ozeanien sind hingegen selten in der „westlichen“ Literaturlandschaft präsent.
„Women on Air“ präsentiert das literarische Schaffen von Sia Figiel, Tusiata Avia und Teresia Teaiwa: drei Künstlerinnen aus Ozeanien, die als „Performing Poets“ ihre Sicht auf die pazifische Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft künstlerisch vermitteln. Ebenso vielfältig wie die Themen, die sie aufgreifen und verarbeiten, sind die Formen, in denen sie sich ausdrücken: Gedichte, Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke, Kinderliteratur und wissenschaftliche Abhandlungen sind hier vorzufinden.
Die Werke von Sia Figiel, Tusiata Avia und Teresia Teaiwa vermitteln ein überaus lebendiges Bild vom Leben in Ozeanien und den Problemen, Freuden, Gedanken, Wünschen, Visionen und Ängsten der Menschen und im Besonderen von Frauen.

 

7. Medea hinter Gittern” | 11:46 | Ulla Ebner

Ein Häfn-Theater.

Während so manche Mitbürger_innen meinen, Verbrecher_innen sollten weggesperrt werden und bei Wasser und Brot für ihre Taten büßen, spielt Regisseurin Tina Leisch mit Gefängnisinsass_innen Theater. Ihre Arbeit vergleicht sie mit Seelsorge. Gemeinsam mit Häftlingen des Frauengefängnis Schwarzau wie auch der Jugendstrafanstalt Gerasdorf hat die renommierte Off-Theater-Regisseurin ein Stück entwickelt, das deren persönliche Lebensgeschichten sowie deren Gefängnisalltag verarbeitet. „Medea bloß zum Trotz“ ist eine moderne Version des griechischen Dramas rund um die Kindsmörderin Medea. „Beim Theaterspielen können sie aus ihrem eigenen Verhaltensgefängnis ausbrechen und sich frei verhalten“, sagt Ko-Regisseurin Sandra Selimovic und auch Gefängnisdirektor Gottfried Neuberger ist überzeugt davon, dass die Theaterarbeit von Tina Leisch eine stark therapeutische Komponente hat.
„Women on Air“ blickte hinter die Kulissen und sprach mit Regisseurinnen, Darsteller_innen und Gefängnisleitung über Sinn und Unsinn von Besserungsanstalten und das Potenzial von Kulturarbeit hinter Gittern.

 

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