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Dienstag 30.10.2012 17:00 - 17:30
ÜBER DIE SENDUNG
BERBERIAN SOUND STUDIO (mit Interview) / THE DEEP BLUE SEA / UN MONDE SANS FEMMES
4. Viennale-Sondersendung
In der vierten Ausgabe der Viennale-Sonderberichterstattung geht's unter anderem um den Spielfilm BERBERIAN SOUND STUDIO von Peter Strickland (siehe unten), der einen englischen Spezialist für Soundeffekte in den 70er-Jahren zeigt, welcher nach Italien in ein Studio fährt um dort die Produktion eines Horrorfilms zu unterstützen. Doch das Vorhaben an sich scheint von der Atmosphäre des Horrorfilmes selbst immer mehr bestimmt zu sein.
Außerdem: Terence Davies' THE DEEP BLUE SEA, Guillaume Bracs UN MONDE SANS FEMMES und Alice Winocours AUGUSTINE.
Interview - Peter Strickland
Peter Strickland spricht unter anderem über seinen neuen Film, die Gemeinsamkeiten von Film, Kochen und Musik, über sein Musikprojekt A SONIC CATERING BAND und über John Cage.
Eine Kurzfassung des Interviews mit Peter Strickland gibt's hier.
Eine komplette Langfassung des Interviews mit Peter Strickland gibt's hier.
Den Hurchtipp des Tages (Double Feature: The Thing from Another World & The Thing. Zu sehen am Mi, 31. Okt. 2012 - 23:00 im Gartenbaukino.) gibt es hier zum Nachhören.
BERBERIAN SOUND STUDIO (Peter Strickland)
Im Spielfilm von Peter Strickland begleiten wir den englischen Spezialist für Soundeffekte Gilderoy in den 70er-Jahren nach Italien, wo er in einem Soundstudio die Produktion eines Art Horrorfilms – angeblich sei es nach Angaben des Regisseurs Santini nur ein Film über die Inquisition, also ein Film über ‚die Wahrheit’, ‚das wirkliche Leben’ – unterstützen soll. Doch von Anfang an, vom ersten Betreten des Studios und vom ersten Kontakt mit der ‚Sekretärin’ vor Ort an, scheinen das Studio und Gilderoy’s italienische KollegInnen auf den pflichtbewusst Engländer etwas befremdlich und einen Hauch mysteriös zu wirken. Das Vorhaben der Vertonung der Greultaten und der geheimnisvollen und erschreckenden Ereignisse des Filmes scheint immer mehr auch die Atmosphäre und den Alltag von Gilderoy selbst zu bestimmen.
Die auf eine bestimmte Art kreativen und doch irgendwie befremdlich wirkenden Arbeitsmethoden im Studio leisten dementsprechend ihren Beitrag zur Gesamtstimmung von Gilderoy. Schon zu Beginn führen zwei merkwürdig anmutende Herren, Maximo und Maximo, mit dem Zertrümmern von Wassermelonen vor, wie Folterszenen wohl am besten zu vertonen sind. Die exzessiven Schreiaufnahmen der Sprecherinnen, die vom Regisseur Santini übrigens eher nach dem äusseren Erscheinungsbild als aufgrund stimmlicher Qualitäten ausgesucht werden, die etlichen Versuche mit dem Vertrümmern, Werfen und Bearbeiten von Obst und Gemüse und dem Einsatz von Mixern und anderen Gerätschaften einen möglichst den Szenen des Inquisitionsfilm entsprechenden Sound zu bekommen – all das scheint Gilderoy immer mehr zuzusetzen. Doch Gilderoy ist zu sehr Engländer dafür, um es laut hinausschreien zu können. So ist es das faulende Gemüse und das Aufschieben des Reglers eines lauten, qualvoll klingenden Schreiens, was Gilderoy aus der Seele zu sprechen scheint.
Wäre Gilderoy doch nur zu Hause in England bei seiner Mutter geblieben und hätte weiterhin Landschaftsfilme vertont. Doch es zieht ihn noch weiter hinein. Die Arbeit scheint ihn immer mehr zu zerstören, er selbst und der Film scheinen immer mehr miteinander zu verschmelzen und ihn selbst schließlich dazu zu bringen, fragwürdige Arbeitsmethoden anzuwenden.
BERBERIAN SOUND STUDIO von Peter Strickland beeindruckt und verstört zugleich auch ein wenig auf schöne cineastische und besonders detailreiche Art und Weise. Nicht zufällig spielt der Film in einem italienischen Studio der 70er-Jahre. Und er führt uns ganz direkt und nah vor und heran, warum die Bedeutung von Geräuschen, und vorallem, das Haptische und das Physische so wichtig sind.
Hinweise:
Das Interview mit Peter Strickland über seinen Film, die Figuren und das Arbeiten am Film, über sein Musikprojekt, über Peter Kubelka, das Analoge und Digitale und über noch vieles mehr ist in einer Kurzfassung und in einer Langfassung nachhörenbar (siehe oben).
Der Blog von Peter Strickland mit allen Infos zu seinen Film- und Musikprojekten ist im Internet zu finden unter peterstrickland.blogspot.de.
(Jakob Fessler)
BERBERIAN SOUND STUDIO (mit Interview) / THE DEEP BLUE SEA / UN MONDE SANS FEMMES
4. Viennale-Sondersendung
In der vierten Ausgabe der Viennale-Sonderberichterstattung geht's unter anderem um den Spielfilm BERBERIAN SOUND STUDIO von Peter Strickland (siehe unten), der einen englischen Spezialist für Soundeffekte in den 70er-Jahren zeigt, welcher nach Italien in ein Studio fährt um dort die Produktion eines Horrorfilms zu unterstützen. Doch das Vorhaben an sich scheint von der Atmosphäre des Horrorfilmes selbst immer mehr bestimmt zu sein.
Außerdem: Terence Davies' THE DEEP BLUE SEA, Guillaume Bracs UN MONDE SANS FEMMES und Alice Winocours AUGUSTINE.
Interview - Peter Strickland
Peter Strickland spricht unter anderem über seinen neuen Film, die Gemeinsamkeiten von Film, Kochen und Musik, über sein Musikprojekt A SONIC CATERING BAND und über John Cage.
Eine Kurzfassung des Interviews mit Peter Strickland gibt's hier.
Eine komplette Langfassung des Interviews mit Peter Strickland gibt's hier.
Den Hurchtipp des Tages (Double Feature: The Thing from Another World & The Thing. Zu sehen am Mi, 31. Okt. 2012 - 23:00 im Gartenbaukino.) gibt es hier zum Nachhören.
BERBERIAN SOUND STUDIO (Peter Strickland)
Im Spielfilm von Peter Strickland begleiten wir den englischen Spezialist für Soundeffekte Gilderoy in den 70er-Jahren nach Italien, wo er in einem Soundstudio die Produktion eines Art Horrorfilms – angeblich sei es nach Angaben des Regisseurs Santini nur ein Film über die Inquisition, also ein Film über ‚die Wahrheit’, ‚das wirkliche Leben’ – unterstützen soll. Doch von Anfang an, vom ersten Betreten des Studios und vom ersten Kontakt mit der ‚Sekretärin’ vor Ort an, scheinen das Studio und Gilderoy’s italienische KollegInnen auf den pflichtbewusst Engländer etwas befremdlich und einen Hauch mysteriös zu wirken. Das Vorhaben der Vertonung der Greultaten und der geheimnisvollen und erschreckenden Ereignisse des Filmes scheint immer mehr auch die Atmosphäre und den Alltag von Gilderoy selbst zu bestimmen.
Die auf eine bestimmte Art kreativen und doch irgendwie befremdlich wirkenden Arbeitsmethoden im Studio leisten dementsprechend ihren Beitrag zur Gesamtstimmung von Gilderoy. Schon zu Beginn führen zwei merkwürdig anmutende Herren, Maximo und Maximo, mit dem Zertrümmern von Wassermelonen vor, wie Folterszenen wohl am besten zu vertonen sind. Die exzessiven Schreiaufnahmen der Sprecherinnen, die vom Regisseur Santini übrigens eher nach dem äusseren Erscheinungsbild als aufgrund stimmlicher Qualitäten ausgesucht werden, die etlichen Versuche mit dem Vertrümmern, Werfen und Bearbeiten von Obst und Gemüse und dem Einsatz von Mixern und anderen Gerätschaften einen möglichst den Szenen des Inquisitionsfilm entsprechenden Sound zu bekommen – all das scheint Gilderoy immer mehr zuzusetzen. Doch Gilderoy ist zu sehr Engländer dafür, um es laut hinausschreien zu können. So ist es das faulende Gemüse und das Aufschieben des Reglers eines lauten, qualvoll klingenden Schreiens, was Gilderoy aus der Seele zu sprechen scheint.
Wäre Gilderoy doch nur zu Hause in England bei seiner Mutter geblieben und hätte weiterhin Landschaftsfilme vertont. Doch es zieht ihn noch weiter hinein. Die Arbeit scheint ihn immer mehr zu zerstören, er selbst und der Film scheinen immer mehr miteinander zu verschmelzen und ihn selbst schließlich dazu zu bringen, fragwürdige Arbeitsmethoden anzuwenden.
BERBERIAN SOUND STUDIO von Peter Strickland beeindruckt und verstört zugleich auch ein wenig auf schöne cineastische und besonders detailreiche Art und Weise. Nicht zufällig spielt der Film in einem italienischen Studio der 70er-Jahre. Und er führt uns ganz direkt und nah vor und heran, warum die Bedeutung von Geräuschen, und vorallem, das Haptische und das Physische so wichtig sind.
Hinweise:
Das Interview mit Peter Strickland über seinen Film, die Figuren und das Arbeiten am Film, über sein Musikprojekt, über Peter Kubelka, das Analoge und Digitale und über noch vieles mehr ist in einer Kurzfassung und in einer Langfassung nachhörenbar (siehe oben).
Der Blog von Peter Strickland mit allen Infos zu seinen Film- und Musikprojekten ist im Internet zu finden unter peterstrickland.blogspot.de.
(Jakob Fessler)
NÄCHSTER SENDUNGSTERMIN
Mittwoch 31.10.2012 17:00 - 17:30
BAGRUT LOCHAMIM (SOLDIER/CITIZEN) mit Livegast Silvina Landsmann / ONLY THE YOUNG
5. Viennale-Sondersendung
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