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Sendung vom 28.11.2015 16:30:

Depuis Paris - Krieg in Europa

Bezugnehmend auf die in Paris von Freitag auf Samstag, 13./14.11.2015 erfolgten simultanen Attentate an mehreren Örtlichkeiten während des Fußballspiels zwischen Deutschland und Frankreich hat sich die Kunst des Guerilla-Krieges verändert und er wurde via der Stadt Rakka, dem IS-Hauptsitz in Syrien, definitiv in das europäische Haus importiert. Somit könnte die IS-Strategie gegen die “Ungläubigen” im Kontext des “clash of civilization” aufgegangen sein, etwa den Westen mit dem mystischen apokalyptischen Endkrieg einzuschüchtern, damit er national, kontinental und transkontinental diffus gegeneinander handelt und das Projekt Europa als Ort des Friedens, der Freiheit und der Hoffnung zugrunde geht. Der IS ist somit ein Machtfaktor, ein Mitspieler geworden, der den Krieg nach dem Tod von Saddam Hussein und Bin Laden wie eine Metastase über das Mittelmeer gebracht hat. Er ist damit eine weltweit beachtliche Größe im Kräfteverhältnis der Kulturen, der im Gegensatz zu anderen Kulturen den Tod nicht fürchtet, ihn herausfordert, ihm die Stirn bietet und ihm unmittelbar ins Gesicht sehen will. Den eigenen Tod aber können nur die Lebenden sehen und beschreiben, nicht die Sterbenden.

Was wiII der IS tatsächlich mit solchen Guerilla-Attentaten erreichen?
 Apokalypse now
 Rache wegen dem Syrien-Krieg und anderer Konflikte
 Spaltung des Westens
 Unsicherheitsgrad erhöhen
 Rechtsextremen Parteien, wie der FPÖ, Flügel verleihen – Partner des IS gegen das Projekt Europa
 Mit einer Kamikaze-Strategie bzw. Ideologie des Tötens jede Strategie der regulären Armee im Voraus besiegen
 Der Westen soll gegen alle Muslime als Feind vorgehen
 Kleinen Kriminellen, „Adidas“-Gefangenen, die sonst im Leben nur leere Kilometer machen, Versagern eine multiplikatorische, attraktive Werkstatt der Hoffnung geben.

Was bleibt dem Westen/Österreich übrig zu tun?
1. Die Herausforderung als Chance zu sehen, das Europa-Haus strukturell föderativ zu gestalten
2. Die “Union” basierend auf Werten der Solidarität, Laizität und Humanität sowie Universalität sowohl auf nationaler aber auch EU-Ebene zu redefinieren
3. Europas Werte gesellschaftlich und medial sowie in der Schule wiederzuentdecken und intensiv zu verbreiten
4. Im Schatten aller bisherigen Anschläge – Attentat beim Boston-Marathon, Mohamed Merah in Toulouse, Charlie Hebdo, Guerilla Attentat an Bord des russischen Flugzeugs, Flugnummer 9268, Anschläge in Paris Beirut, Bamako und Tunesien - die Diskussion bezüglich individuellen Freiheiten vs Sicherheit zu intensivieren, so dass man nicht wie die USA um 360 Grad dreht und die individuellen Freiheiten einschränkt
5. Wenn Politiker à la Strache im Zusammenhang mit Rückkehrern aus Syrien, die dort mitgemacht haben, verlangen, dass diese in U-Haft genommen und ihre Staatsbürgerschaft entzogen werden soll, weil sie tickende Bomben seien - schön und gut -, sollte dann der Bundesverfassungsgerichtshof eine Balance zwischen „Hard- und Softpower“ bringen, aber auch gegen solche Politiker wegen Verhetzung und Spaltung der Menschen/BürgerInnen einschreiten. Sollte er rechtspopulistische Parteien und deren Sprüche verfassungsmäßig verbieten bzw. sie (Partei und Sprüche) gesetzlich aufs Schärfste bestrafen.
6. Sollte man von COP-21 im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung lernen, dass lokale und globale Probleme Hand in Hand gehen.

Dazu diskutieren:

Madge Gill Bukasa (Executive Director The Global Player, We The People)
Gilbert Moyen (Freier Denker)
Cyril Chima Ozoekwe (JournaIist The GobaI PIayer, We The PeopIe)
Simone Prenner (Vorsitzende ENARA)
Sintayehu Tsehay (Radio Ethiopia)
Moderation: Di-Tutu Bukasa