Die israelisch-kurdischen Beziehungen

Episode · 13.09.2026 18:00 - 18:57

[Vorproduzierte Sendung]

Die israelisch-kurdischen Beziehungen sind von einer tiefen historischen Verbundenheit und strategischen Interessen geprägt, obwohl es keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der autonomen Region Kurdistan gibt. Beide Seiten sehen sich in einer von arabischen Staaten, der Türkei und dem Iran dominierten Region oft als "natürliche Verbündete ohne eigenen großen Rückhalt in der Nachbarschaft.

1. Historische und kulturelle Wurzeln

Die kurdischen Juden: Juden lebten über Jahrhunderte hinweg relativ geschützt in den kurdischen Siedlungsgebieten. Zwischen 1951 und 1952 wurden im Zuge von Massenevakuierungen fast alle irakischen und kurdischen Juden nach Israel ausgeflogen. Heute leben schätzungsweise 150.000 bis 300.000 Menschen mit kurdischen Wurzeln in Israel, was ein starkes gesellschaftliches Bindeglied darstellt.

Gegenseitige Sympathie: In der kurdischen Diaspora und der kurdischen Zivilbevölkerung gilt Israel vielen als Vorbild für einen wehrhaften Staat, der sich trotz feindlicher Nachbarn seine Unabhängigkeit bewahrt hat.

2. Strategische und militärische Zusammenarbeit

Die Peripherie-Doktrin: In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte Israel unter David Ben-Gurion eine Strategie, Allianzen mit nicht-arabischen Akteuren am Rande der arabischen Welt zu suchen. In diesem Rahmen unterstützte Israel den kurdischen Führer Mustafa Barzani im Irak militärisch und humanitär im Kampf gegen das Regime von Saddam Hussein.

Gemeinsame Gegner: Beide Seiten teilen Sicherheitsinteressen, insbesondere bei der Eindämmung des Einflusses des iranischen Regimes und im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen wie den IS.

Politische Realität und diplomatische Zurückhaltung

Obwohl Israel 2017 das einzige Land weltweit war, das das kurdische Unabhängigkeitsreferendum in der autonomen Region Kurdistan offen und offiziell unterstützte, müssen die kurdischen Autonomiebehörden (KRG) aus geopolitischen Gründen oft Distanz zu Israel wahren, um ihre Beziehungen zu den Nachbarstaaten Irak, Iran und der Türkei nicht zu gefährden.