Seit knapp 30 Jahren dichtet und komponiert der Autor und Musiker Stephan Hofstätter in der Erbfolge des Austropop seine lakonischen Lieder. Sie handeln vom Alltäglich-Diesseitigen, doch sein spezieller Blick gibt den Dingen Weite und Tiefgang. DAF meets Mayröcker an einem feuerländischen Aussichtspunkt. Mit „Zeit und Reife" legt Hofstätter seinen ersten regulären Tonträger vor. Es sind ungewöhnliche Songs mit Hitcharakter, mit denen ihm das Kunststück der „unendlichen Platte“ gelingt: man will sie einfach immer wieder hören.
Stephan Hofstätter ist ein Singer-Songwriter, Gitarrist und Bassist. Aufgewachsen in Graz und Klagenfurt, lebt er seit dreißig Jahren im Raum Wien. In den frühen 1990ern, mit 15 Jahren, “schnallte er sich die Gitarre um” (wie es so treffend in einem seiner ersten Lieblingssongs “Go Karli Go” der EAV heißt) und gründete mit Freunden eine Folk-Band namens “Samsara” (was als ‘Antwort’ auf “Nirvana” gemeint war). Die Instrumentierung der Combo fiel ein wenig aus dem Rahmen: zwei Gitarren, ein Bouzouki und eine Querflöte. Das Repertoire bestand vor allem aus Eigenkompositionen mit englischen Texten. Nach der Matura verließ er die Band und widmete sich der griechischen Musik: Zwei Jahre spielte er in einem Quartett jeden Samstag ‘Rembetiko’ in einem Klagenfurter Griechenbeisl, für Speis’ und Geld. Kurz vor der Jahrtausendwende schloss er sich dann der “Fantastic Lungi Band” an, die mit 60er Rock von Donovan bis Zappa mehrere Auftritte und sogar Studioaufnahmen absolvierte. Geprobt wurde zuerst im Heustadel (mit strengem Rauchverbot) und dann in der guten Stube (mit Raucherlaubnis) eines barocken Gehöfts in Mittelkärnten. Nach seiner Übersiedlung nach Wien fing er an, seine musikalischen Ideen mit einem damals schon altmodischen 4-Spur-Kassetten-Rekorder aufzunehmen. Die so entstandenen Werke verteilte er als selbst gebrannte CDs im Freundeskreis. In den 2010er Jahren präsentierte er seine über die Jahre entstandenen Songs einem kleinen aber feinen (d.h. in Gürtel- und Wienflusslokalen domizilierten) Publikum mit dem Bandprojekt “Zitterpartie”. Namensgebend war die spezielle Instrumentierung (keine Überraschung…), zu der neben Kontrabass und Django-Reinhardt-Gitarre auch eine Zither gehörte. Diese Phase gipfelte in Studioaufnahmen im damals gerade neu gegründeten studio 77 (dem aktuellen Aufnahmestudio seiner neuen EP). Aufgrund der stark zentrifugalen Kräfte seiner Mitglieder endete das Projekt jedoch nach drei Jahren. Zwischenzeitlich war er auch Mitglied im Neuen Favoritner Mandolinenorchester (als Gitarrist, nicht Mandolinist). Am Programm standen Klassik, Oper, Operette, Wiener Walzer, Wienerlied, spanische Mandolinenstücke und Schlager. Dann war für ein paar Jahre vorerst Schluss mit der Musik. Die Gitarre stand im Eck und wurde nur sporadisch in die Hand genommen. Jüngst knüpfte er Kontakte zu lokalen Bands zwischen Wien und Tulln und switchte in Anbetracht eines epidemischen Gitarristenüberschusses auf Bass um. Erstmals hat Stephan Hofstätter nun vier eigene Songs als Solokünstler professionell aufnehmen und produzieren lassen. Das Ergebnis ist eine Melange aus Neuer Deutscher Welle, Austropop und einem Anflug von Punk (aka “Alternative New Wave Austropop”). Die deutschen Texte zeigen einen Hang zum Lakonischen, sind wortkarg und nüchtern, vermitteln im Nachgang aber doch eine gewisse Tiefe und abgründige Ironie. Stephan Hofstätters Stimme ist zurückhaltend und dem Sprechgesang zuzuordnen. Mit der leichten Dialektfärbung ist der Osten Österreichs lokalisiert. Die Songs mögen zuweilen etwas aus der Zeit gefallen wirken, haben aber ihren eigenen Reiz.

