Sven Hartberger live im Studiogespräch
Es rumort mal wieder an der Salzach. Beileibe nicht zum ersten Mal, Festspielsommer in Salzburg gingen schon immer gern mit Skandalen unterschiedlichen Ausmaßes einher. Die Saison 2026 setzt in dieser Hinsicht allerdings neue Maßstäbe: Das Kuratorium schickte den Intendanten in die Wüste. Aus dem Nichts, freihändig und allem Anschein nach widerrechtlich. Mit wechselnden, einander widersprechenden Begründungen und aus letztlich ungeklärten Motiven. Müßig zu erwähnen, dass auch eine namhafte Summe öffentlicher Gelder auf dem Spiel steht. Genaues weiß man nicht und kann nur rätseln, Überschlagsrechnungen landen schnell bei siebenstelligen Eurobeträgen.
Sven Hartberger, der selbst über Jahrzehnte als Intendant, u.a. des renommierten Solistenensembles Klangforum Wien tätig war, somit als ausgewiesener und mit vielen Wassern gewaschener Kenner internationaler wie auch heimischer Kunst- und Kulturszenen gelten muss, wollte das nicht hinnehmen. Akribisch suchte er veröffentlichte Meldungen, originale Statements und Berichte zusammen, brachte sie in eine chronologische Ordnung und zog seine Schlüsse. Das Resultat erschien in Buchform beim eilends zum Verlag erweiterten Kulturverein Tres Mundos. Der Plot besteht aus einer Spirale ständiger Twists, die von Mal zu Mal absurder erscheinen und einer schlecht geschriebenen Telenovela entnommen sein könnten. Durchaus unterhaltsam, wenn es nicht aus vielerlei Gründen so ernst wäre.
Im Zentrum der Handlung: Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) und der Salzburger Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) als tonangebende Kuratoriumsmitglieder, sowie Markus Hinterhäuser in der (bislang stummen) Rolle des geschassten Intendanten. Die Szenerie zeigt eine Mauer des (vermutlich tatsächlich vertraglich vereinbarten) Schweigens. Unter dem Kuratorium ist ein Direktorium zu sehen, das nichts weiß und auch nichts sagen kann. Über allem schwebt der Salzburger Festspielfonds.
Pikanterweise könnte gerade dieser zur Bresche in der Mauer werden. Denn der Salzburger Festspielfonds untersteht dem Rechnungshof und kann geprüft werden. Darüber hinaus unterliegt er dem Informationsfreiheitsgesetz und muss Anfragen beantworten. Beide Wege hat Sven Hartberger beschritten. Auf Letzterem konnte er einen ersten Erfolg verbuchen: das Landesverwaltungsgericht Salzburg stellte auf seine Beschwerde hin am 27. Juli fest, dass der Festspielfonds die zuvor verweigerte Auskunft bezüglich der Gesamtkosten des Spektakels sehr wohl zu erteilen hat. Die dafür gesetzte sechswöchige Frist ist noch im Laufen, man darf gespannt sein.
Noch sind die Salzburger Festspiele in vollem Gange. Die Hintergründe und insbesondere auch die Folgen der Trennung von Markus Hinterhäuser werden uns erwartbar weit über das Ende der Festspielsaison hinaus beschäftigen. Live im Studio berichtet Sven Hartberger vom Stand der Dinge.

