Musiksendung
Donnerstag 10.04.2014 21:00 - 22:00

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ÜBER DIE SENDUNG

shut up and listen!


interdisziplinäres festival für musik und klangkunst

Im Gespräch mit den beiden Organistor_innen Bernhard Gál & Belma Bešlić-Gál

http://www.sp-ce.net/sual/


MUSIK:

Eliane Radigue: Trilogie de la Mort (Kyema) {exzerpt}

„This profound work of electronic music on three CDs is based on the composer's complete immersion in Tibetan Buddhist teaching, and takes its title from Thomas Merton's Trilogy on Death: Going beyond death in this life, beyond the dichotomy of life and death, and so to become a witness to life itself. The first chapter is Kyema composed during the years 1985-1988. It was inspired by texts of the Bardo-Thödol (a book of the dead) and evokes the six intermediate states which constitute the 'existential continuity' of being: Kyene (birth), Milam (dream), Samtem (contemplation and meditation), Chikai (death), Chönye (clear light), and Sippai (crossing and return).“ The slowly changing timbres create quite physical resonances and density modulations, suggesting encounters with traveling personalities, some comforting, some evoking deep and strange spirits. Kyema is dedicated to the composer's son Yves Arman, who passed away in a car accident shortly before its completion. (Eliane Radigue)


Gunter Schneider: IM ROHR* {exzerpt}

"Installationen nehmen in meiner musikalischen Arbeit einen relativ kleinen Platz ein. Freilich waren und sind sie für mich wichtig, ja entscheidend, was ihre Annäherung an Klang und Klingen, ihr Entstehen, Wahrnehmen und Erleben angeht. Neben disordered systems für 13 mit Metallstricknadeln und –stäben präparierte Gitarreninstrumente […] und trapped für 70 Mausefallen mit Tischtennisbällen in einem Flügel […] ist das rohr mein grundsätzlichstes Projekt in dieser Hinsicht. Im Herbst 1986 arbeitete ich bei einer Produktion des K&K- Experimentalstudios im Klagenfurter Künstlerhaus mit. Zu den Requisiten desBühnenbildes gehörte ein ca. 3 m langes und 13 cm lichtes Rohr aus 8 mm dickem Karton. Aus Neugier legte ich in einer Probenpause ein Ohr an eine Öffnung des Rohrs, ohne zu ahnen, was mich erwartete. Das Rohr klingt. Und in seinem Klang verbinden sich alle Schallereignisse der Umgebung zu wunderbarer Harmonie. Sie werden durch das Obertonspektrum des Rohrklangs in ein zartes Gewebe von Melodien verwandelt. Stellen Sie sich vor: in allen Rohren ist ständig derartige Musik. So fasziniert mich die Klangwelt in Rohren seit langem. Geräusche und Klänge der Umgebung: Verkehrslärm, Gesprächsfetzen, Schritte, Musik...bringen die Luftsäulen in den Rohren zum Schwingen. Die Schallereignisse der Umgebung regen die ihnen in Bezug auf die Frequenz (Tonhöhe) nächsten harmonischen Teilschwingungen des Rohrklangs an. Das aus der Umgebung entstehende lärmige Brummen wird nach einiger Zeit des Zuhörens zu einem filigranen Klanggewebe. Dieser Vorgang bedeutet mir Grundsätzliches fürs Hören und damit fürs Leben: sich zu öffnen." (Gunter Schneider)


Michael Moser: Locomotino Traces, für Cello, zwei Snaredrums, zwei Transducer und Zuspielung (2011/2013)*

"Zwei Snaredrums werden in bespielte, selbstklingende Objekte verwandelt: Die Idee entstammt der Arbeit an meinen letzten beiden großformatigen Klanginstallationen-Resonant Cuts und Antiphon Stein. Hauptelemente dieser Arbeiten waren mit Körperschallwandlern bespielte Flächenobjekte aus Glas und Metall. In Locomotion Traces bringen die Körperschallwandler den zugespielten Klang auf die Felle der Trommeln, machen sie so zu Lautsprecher die je nach Bauart und Resonanzraum diesen Klang filtern. Sinustonflächen verstärken die Verfremdung der räumlichen Wahrnehmung. Eigenresonanz, mechanische Anregung und Zuspiel überlagern einander.Daraus resultiert eine vielgestaltige klangliche Mischung von gespieltem und bespieltem Instrument." (Michael Moser)


Hermann Nitsch: Satz 4, aus Orgelkomposition in 4 Sätzen**

"meine musik hat ihre wurzeln im schrei, im lärm, ist verbunden mit extremster erregung, die zur notwendigkeit des theaters gehört. der schrei liegt menschheitsgeschichtlich vor dem wort, er ereignet sich dann, wenn die erregung so stark ist, dass das wort kein auslangen mehr findet. meine musik ist in keiner weise illustrativ oder den aktionen aufgesetzt. sie kommt buchstäblich aus der erregung des geschehnisses. sie intensiviert die aktion, die aktion aktiviert die musik. sie gräbt tiefer in die abgründe der katastrophe des dramas. in der folge hat sich meine akustische gestaltung über die extremen, archaischen ausdrucksmöglichkeiten, die ich aber trotzdem nie verlassen will, hinausentwickelt. Die klangfarbe wird immer wesentlicher. eine art orgelklang des gesamten orchesters wird angestrebt. Ich bin auf die musik des o.m. theaters durch die unmittelbare auseinandersetzung mit der aktion gestossen." (Hermann Nitsch)



* live-Mitschnitt vom 21/22.11 aus dem Echoraum Wien
**live-Mitschnitt vom 20.11 Jesuitenkirche, Wien

Eine Sendereihe von: Katrin Gann, Katrin Hauk

NÄCHSTER SENDUNGSTERMIN
Donnerstag 08.05.2014 21:00 - 22:00
UNSAFE & SOUNDS FESTIVAL 6. - 8. Juni 2014, Hella Comet
und: 5 Jahre KK!!!
VORIGER SENDUNGSTERMIN
Donnerstag 13.03.2014 21:00 - 22:00
fr z t
frei - zeitgenössisch - trio
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