Meine Jazzkiste
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Sendung vom 28.03.2012 23:00:

Shout for Trane! - John Coltrane‘s Legacy

Folge 39 - Meine Jazzkiste

Im Mittelpunkt dieser Würdigung des Meisters John Coltrane (1926-1967) steht die nachhaltige Rezeption seiner revolutionären Botschaft als Musiker und Menschenfreund. Die Auseinandersetzung mit Coltranes legendärem Oeuvre stellt nach wie vor eine große, wunderbare aber zugleich verantwortungsvolle Herausforderung für viele Musiker unterschiedlichster Genres dar. In dieser Sendung wird einmal der Versuch unternommen, den vagen und schwammigen Begriff des Black Spiritual Jazz zu bewerten, in dem man durch Heranziehung einiger freier Bearbeitungen von Coltranes klassischen Stücken den Versuch unternimmt, eine geistige und spirituelle Zeitreise in der afro-amerikanischen Musikgeschichte zu unternehmen, also die Ursachen für den radikalen politischen wie musikalischen Klimawandel zu finden, der die Entwicklung eines rebellischen und hymnischen Free Jazz bzw. Black Soul Jazz hervorbrachte, der einerseits über den Ausdruck des Protests sprach und andererseits ein Spiegelbild der unterdrückten Seele der Schwarzen im rassistischen Amerika war. Der anarchistische Free Jazz trug sowohl eine immanente politische Botschaft in sich als er auch ein Reformprogramm für die gesamte Gesellschaft enthielt. Die kraftvolle und höchst anspruchsvolle Musik von John Coltrane sprengte die verschiedenen Formen, Normen und Grenzen des status quo, denn seine Musik spiegelte die gesellschaftlichen und historischen Kräfte sowohl des Aufruhrs als auch des inneren und äußeren Friedens wieder. Der Einfluss von Coltranes musikalischem Erbe mitsamt seiner humanen und spirituellen Botschaft auf die späteren Generationen war nachhaltig und vielfältig. Zeitgenossen wie Pharoah Sanders, Archie Shepp, Gato Barbieri, Billy Harper, Michael Brecker oder die vielen jungen Newcomer, ob sie Branford Marsalis, Joshua Redman oder Eric Alexander heißen, haben den Einfluss eines seiner stärksten Alben wie A LOVE SUPREME oder ASCENSION (zwei Leitmotive für Tranes Leben und Werk) auf ihre eigene Arbeitsweise hervorgehoben. Unzählige zeitgenössische Combos, Sänger und Rapper haben jeweils die harmonischen und rhythmischen Patterns von Stücken wie Africa, India und My Favorite Things als eine ihrer wichtigsten Einflüsse gewertet. Man hört bei den hier vorgestellten Interpreten und ihren Interpretationen sowohl den Zeitgeist des konflikthaften Wandels als auch die sanfte Harmonie von John Coltranes Musikschaffen heraus. Musikbeispiele: Joe Lee Wilson: Mode For Trane (Billy Gault/Joe Lee Wilson), rec. 1976; Joe Lee Wilson: Blue Train (John Coltrane), rec. 1975; Gil Scott-Heron: Lady Day & John Coltrane (Gil Scott-Heron), rec. 1971; Leon Thomas/Freddie Hubbard: Cousin Mary (John Coltrane/Leon Thomas), rec. live Milano 1979; Lambert, Henrdricks & Ross: Mr. P.C. (John Coltrane), rec. 1961; Dwight Trible: A Love Supreme (John Coltrane), rec. 2006; Byard Lancaster: Saint John Coltrane (Byard Lancaster), rec. 2009; Leon Thomas/Pharoah Sanders: The Creator has a masterplan (Sanders/Thomas), rec. 1969.