Meine Jazzkiste
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Sendung vom 27.02.2013 23:00:

Antonio Benedetto alias Tony Bennett

Folge 50 - Meine Jazzkiste

Obwohl der Italo-Amerikaner Tony Bennett (* 1926) aus dem ruhigen und gemütlichen New Yorker Vorort Astoria in Queens stammend im Grunde ein populärer Schlager- und Showsänger ist, wird er sogar unter Jazzpuristen aufgrund seiner swingenden und geschmeidigen Phrasierung sowie seines coolen und gelassenen Timings als Crooner geschätzt. Seine ersten LPs unter dem Künstlernamen Tony Bari waren Cold Cold Heart (1951), Because Of You (1952) und Rags To Riches (1953). Nach Stranger In Paradise (1953) folgte das Kultalbum Cloud 7 (1955) mit dem Gitarristen Chuck Wayne und die noch mehr swingende LP The Beat Of My Heart (1957), auf der Bennett seine Stärken als ausdrucksstarker Interpret des Modern Jazz demonstrierte, einer Musikrichtung, der er sich begleitet von seinem neuen Pianisten und langjährigem Orchesterleiter Ralph Sharon verstärkt widmete. Als einer der ersten Sänger seiner Sparte arbeitete er auf zwei Alben mit dem Orchester von Count Basie zusammen: Basie Swings Bennett Sings (1958) und In Person! (1959). Daraufhin erhielt er einen Exklusivvertrag von Columbia Records und landete mit der Single The Boulevard Of Broken Dreams gleich einen Achtungserfolg. In den folgenden Jahren stieg Bennett rasch zu einem der populärsten Sänger der USA auf, gab umjubelte Konzertserien im New Yorker Paramount Theatre, und mit seinen Hit-Singles gelang ihm gleich viermal der Sprung an die Spitze der US-Charts. Wiederholt hatte Tony in den folgenden Jahren mit weltberühmten Jazzmusikern zusammengearbeitet, so in der Band von Al Cohn und mit seinem eigenen Trio mit Ralph Sharon als Klavierbegleiter und Arrangeur. 1975 nahm er sogar eine Duoplatte mit dem legendären Pianisten Bill Evans auf. Der von Pearl Bailey und Ella Fitzgerald entdeckte und gepushte Sänger eroberte mit seiner lässigen Art, seiner warmen Stimme und seinem Charme die Herzen des Publikums und landete einige Hits in den Pop-Charts. Unvergesslich bleibt seine Version des Mega-Hits I Left My Heart In San Francisco (1962) mit der er nicht nur zwei Grammys gewann, sondern das berühmte Lied wurde zu seiner Signation. Daneben hatte er eine eigene Show im amerikanischen Fernsehen und spielte sogar in einigen Filmen (z.B. The Oscar, 1966) und TV-Serien wie 77 Sunset Strip als Darsteller mit. 1962 gab Bennett ein Galakonzert in der New Yorker Carnegie Hall, das auch als Live-Doppelalbum erschien. Es erschienen in rascher Folge zahlreiche weitere Studioalben bei Columbia, von denen I Wanna Be Around (1963), When Lights Are Low (1964) und For Once In My Life (1967) besonders kommerziell und erfolgreich waren. Für seine Cover-Version von The Shadow Of Your Smile (1965) erhielt Bennett seinen ersten Grammy Award. Doch bald danach trennten sich Bennett und Sharon und man engagierte den brasilianischen Arrangeur Torrie Zito als musikalischen Leiter und zeitweise auch als Tournee-Pianisten. Nach einigen künstlerischen und ökonomischen Fehlschlägen in seiner Karriere, wechselte Bennett von MGM zu Fantasy Records, für das er zwei Alben mit Songs von Rodgers und Hart produzierte und zusammen mit dem Jazzpianisten Bill Evans seine beiden wohl besten Jazz-Alben einspielte: The Tony Bennett/Bill Evans Album (1975) und Together Again (1977). In den frühen 80er Jahren fand Bennett allmählich in ein geregeltes Leben zurück, zog zurück nach New York City und tat sich wieder mit Ralph Sharon und dessen Trio zusammen, während sein Sohn Danny Bennett sich fortan als Manager um die Geschäfte seines Vaters kümmerte. Nach einer Reihe erfolgreicher Konzertauftritte auf kleineren New Yorker Musikbühnen und in einigen populären Fernsehshows gelang Bennett dann 1986 ein Comeback bei seinem alten Label Columbia Records, das ihn wieder unter Vertrag nahm. Nach seinem erfolgreichen Wiedereinstieg bei Columbia Records mit Alben wie der musikalischen Rückschau Astoria Portrait Of The Artist (1990) gewann Bennett 1993 einen Grammy für sein Jazz-Album Perfectly Frank (1992). Musikbeispiele: Lullaby of Broadway (Harry Warren/Al Dubin), mit Ansage, rec. live Carnegie Hall 1962; Give Me The Simple Life (Bloom/Ruby/arr. Chuck Wayne), mit Davey Schildkraut (as) & Chick Di Mauro (ts), rec. 1954; When Lights Are Low (Carter/Williams), rec. 1963; Just One Of Those Things (Cole Porter/arr. Al Cohn), mit Candido Camero (congas), Al Cohn (ts), Nat Adderley (tp), rec. 1957; Lullaby of Broadway (Harry Warren/Dubin/arr. Ralph Sharon), mit dem Count Basie Orchester, rec. 1958; A Little Street Where Old Friends Meet (G. Kahn/H. Woods), mit Ralph Sharon Trio, rec. 1989; Crazy Rhythm (Meyer/Kahn/Caeser), mit Chico Hamilton (dm), rec. 1957; Out Of This World (Harold Arlen/Johnny Mercer), mit Stan Getz (ts) und dem Herbie Hancock Trio, rec. 1964; Let‘s Face The Music And Dance (Irving Berlin) mit Sabu (congas), rec. 1957; Speak Low (Kurt Weill/Ogdan Nash), mit Ralph Sharon Trio, rec. 1963; Ain‘t Misbehavin‘ (Fats Waller), mit Ralph Sharon Trio, rec. 1964; Shakin‘ The Blues Away (Irving Berlin), rec. 1986; Russian Lullaby (Irving Berlin), mit Dizzy Gillespie (tp), rec. 1986; Anything Goes (Cole Porter), rec. live Carnegie Hall 1962; One For My Baby (Horace Arlen/Johnny Mercer), rec. live Carnegie Hall 1962; But Beautiful (Burke/Van Heusen), im Duo mit Bill Evans (p), rec. 1975; Days Of Wine And Roses (Henry Mancini/Johnny Mercer), rec. 1975; Waltz For Debby (Bill Evans) im Duo mit Bill Evans (p), rec. 1975.