Meine Jazzkiste
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Sendung vom 22.05.2013 23:00:

Limelight – Ein Label der Extraklasse

Folge 53 - Meine Jazzkiste

Die amerikanische Plattenfirma LIMELIGHT (dt. Bühnen- bzw. Rampenlicht) ist eine legendäre Tochtergesellschaft und ein prestigevolles „Sublabel“ von Mercury Record Company oder MRC, daher später auch „Emarcy“ genannt. Ins Leben gerufen wurde das Etikett vom früheren Rundfunk-Journalisten und Argo/Cadet-Plattenboss Jack Tracy und betreut wurde es vom Musiker und Arrangeur Quincy Jones, dem A&R-Chef für die künstlerische Betreuung (Artist & Repertoire) bei Mercury Records in Chicago. Zu den Aushängeschildern des exquisten US-Labels gehörten so schillernde Persönlichkeiten und wahre Jazz-Stars wie Roland Kirk, Charles Mingus, John Coltrane, Cannonball Adderley, Dizzy Gillespie, Art Blakey, Milt Jackson, Oscar Peterson, Gerry Mulligan, Chet Baker, Terry Gibbs, Les McCann, Eric Dolphy, Paul Bley, Earl Hines, etc. aber auch das kommerzielle Bartrio „The Three Sounds“ unter der Leitung von Gene Harris. Im Rampenlicht dieser Sendung stehen sowohl einige Hörbeispiele aus dem Plattenangebot dieser kurzlebigen Firma als auch die Schallplattenhüllen selbst, die künstlerisch gestalteten „Covers“ vom Hausgraphiker Daniel Czubak. Das Besondere an der Erscheinung von LIMELIGHT waren seine ambitionierten und geschmackvollen Covers, die die Bezeichnung „discophile“ in jeder Hinsicht verdienen. Die meisten Jackets waren aufwendige Klappcovers (sog. „gatefolds“) und innerhalb der schweren Klapphüllen wurde ein mehrseitiges, graphisch schön und ambitioniertes Begleitheft geklebt. Die meisten der Booklets waren derart aufwendig verpackt, das sie Mini-Skulpturen oder Photo-Mobile in Papier bildeten. Auch der Rücken (spine) der Covers war interessant mit vielen Firmenlogos und klassisch modernen Schriftzügen (Helvetica) bedruckt in der Tradition der klassischen Moderne (Bauhaus, HfG-Ulm). Der Niedergang der Firma zeichnete sich in den späten 1960er Jahren ab, als sich die Prioritäten der neuen Besitzer von LIMELIGHT Records zu experimentielleren Formen der leichter konsumierbareren E-Musik (Pierre Henry, Beaver & Krause) oder der psychedlischen Rock-Musik und auch der ethnischen Volksmusik als Vorläufer der sog. „Weltmusik“, wie sie von den Hippies bevorzugt wurden, verschoben. Gelegentlich schlichen sich auch Funk (Melvin Jackson) und europäischer Indie-Rock (Mecki Mark Man, Bengt Hambres) ins Repertoire ein. Von den 71 LIMELIGHT-Alben wurden einige CDs vom neuen Rechteinhaber „Verve Records“ übernommen und wieder „authentisch“ aufgelegt, aber viele der Originalplatten mit den schweren und bunten Kartonhüllen sind schwer zu finden. Ich habe schon gehört, einige von ihnen werden als „ultra-rare“ bezeichnet und gelten als sündhaft teuere Kult- oder Fetischplatten. Eine Auflistung mit Photos der Covers finden Sie unter: http://microgroove.jp/mercury/Limelight.shtml. Musikbeispiele: Roland Kirk Quartet: Serenade To A Cuckoo (Roland Kirk), rec. 1964; John Coltrane/Julian Adderley: You‘re A Weaver Of Dreams (Young/Elliot), rec. 1959; Art Blakey‘s Jazzmessengers: Freedom Monday (Art Blakey), rec. 1965; Milt Jackson Quintet: Sonny‘s Blues (Milt Jackson), rec. 1965; Art Blakey‘s Jazzmessengers: Buttercorn Lady (Chuck Mangione), rec. live 1966; Charles Mingus Tentet: Weird Nightmare (Charles Mingus), rec. 1960; Cannonball & Nat Adderley: Watermelon (Nat Adderley), rec. 1955; Les McCann Trio: Little Freak (Les McCann), rec. 1964; Paul Bley Trio: Ramblin‘ (Ornette Coleman), rec. live 1968; Paul Bley Trio: Mr. Joy (Annette Peacock/Paul Bley), ebenda; Terry Gibbs Quartet: El Flippo (Terry Gibbs) mit Alice McCloud-Coltane, rec. 1963; Dizzy Gillespie Band: Jambo (Dizzy Gillespie), rec. 1965.