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Sendung vom 07.11.2015 16:30:

# Warum die Balkanroute wichtiger ist als die Südroute

(Lampedusa oder sogar Calais)?

Wenn man sieht, dass wichtige Repräsentanten der EU, wie Jean-CIaude Junker und Martin Schulz, sich demonstrativ nach Griechenland begeben haben, um die ersten 30 der 150.000 Flüchtlinge, die in der EU aufgeteilt werden sollen, zu verabschieden, muss man sich fragen, warum nur Syrer attraktiver und hilfsbedürftiger sind und nicht jene Asylwerber in Calais oder Lampedusa.

Zunächst werden sie besänftigt, sodass die FC Sans Papiers das Match, heute, am 7.11.2015 gegen „Radnicki“ um 20:00 Uhr, EDV-2000 Arena, Natorpgasse 2, 1220 Wien an Justin Trudeau bzw. an die Premiere einer "diversitären Regierung" widmen, die die gesamte kanadische Gesellschaft repräsentiert, insbesondere die proporzmäßige andere Hälfte der Frauen.
Während in Kanada ein Ministerium errichtet wird und von einem Autochthonen repräsentiert, wird, wie es kürzlich von Sebastian Kurz heißt, eine "Werteschulung" mit 50 konkreten Maßnahmen auf die Beine gestellt. Begründung: „ Die Menschen, die zu uns kommen, sind keine schlechten Menschen. Aber sie haben andere Wertevorstellungen. Sie sind mit unseren Werten nicht vertraut. Es ist unsere Aufgabe und unsere Pflicht, sie mit unseren Werten vertraut zu machen.“ „ Ganz wichtig ist es“, sagt Kurz, „den Zustrom an Flüchtlingen zu reduzieren und gleichzeitig alles zu tun, um die Flüchtlinge, die bei uns sind, bestmöglich zu integrieren.“ Das klingt niedlich und schön für das autochthone Volkstum. Im Grunde genommen macht hier Herr Kurz im Zusammenhang mit Integration den traditionellen Fehler, sich als Integrierter zu erheben. Nach und nach ihre Werte auf die anderen zu oktroyieren ist die allgemeine Lüge der Glaubensgemeinschaft und der Abschottungssünde. Wenn Europa und Österreich im speziellen Abschottung dringend nötig haben, dann nicht gegen Asylsuchende, als ob sie Menschen zweiter oder dritter Klasse wären, sondern gegen die Klasse der Nationalisten in Reinkultur und zum Teil gegen den offenen rassistischen Rechtsextremismus. Aber Zäune errichten zu wollen, wie es Mikl-Leitner gerne gehabt hätte, ist ein Ungeist, der sich eigentlich von selbst verstehen müsste. Es ist feministisch ein unmoralisches Angebot. Mikl-Leitner sollte vom politischen Feminismus Merkels lernen. Mit Mauern und in der mit Stacheldraht abgeschotteten DDR aufgewachsen, will sie nicht als eine neue Mauerbauerin einen Platz im Geschichtsbuch bekommen, so Paul Lendvai.
Durch die Globalisierung werden immer Flüchtlinge kommen; sie sind schon da. Ob die AsylwerberInnen von Umweltgewalt oder von der Gewalt des Kapitals getrieben ihr Heimatland verlassen zu einer traditionellen, ewigen Heimat, wie die Erde, aus militärischen Gründen oder anderen, Gewalt bleibt Gewalt.