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Sendung vom 12.11.2016 16:30:

II. Trumpismus als neues Kleid für Präfaschismus im 21. Jhdt.,

II. Trumpismus als neues Kleid für Präfaschismus im 21. Jhdt., für White Supremacy, für Rassismus?

Bezüglich Trumpismus haben wir letzte Woche diskutiert, ob die Ursache in der extremen narzisstischen Alexithymie seiner Person liegt, einer aus unbändiger Selbstliebe resultierenden Gefühlskälte - Gefühlslegasthenie. Trump als Multiplikator, wie seinerzeit Adolf Hitler, diskutierten wir, ob wir es mit einem möglichen transgenerationellen Erbschaftsgut zu tun haben. Jenseits dessen, was uns die moderne Forschung (Quantenphysik) zeigt, dass Teilchen über eine große Distanz auf unvorstellbare Art verbunden sind, haben wir die Frage gestellt, ob die narzisstische Alexithymie der politischen Akteure schon kollektiv im “Volkstum” angelegt ist. Weil wir bezüglich dieser Frage zu keinem Ergebnis kamen, stellen wir uns heute die Frage, ob der multiplikatorische Effekt der extremen narzisstischen Alexithymie Trumps plus Vox populi bzw. Vox Rindvieh für das Resultat der US-Wahlen ausschlaggebend war? D.h. die Transferierung dessen, was der “kleine Mann” selbst nicht zusammenbringen kann, an ein höheres Wesen, namens Trump, im Namen des American Dream, führte dazu, dass ihn selbst unzählige Betroffene - Hispanics, Frauen und Afroamerikaner - wählten, um ihre Misere, wie in der Religion, tilgen zu können. Wir nennen das conquered in peacetime (ohne Kriegserklärung schon in Friedenszeiten besiegt).

Deshalb stellen wir uns heute weitere Fragen: Welche Bedeutung hat die Prägung dieser Mehrheitsdemokratie? Auch ein Adolf Hitler, wie Trump heute, war zunächst demokratisch legitimiert, bevor er in Österreich einmarschierte. Sicher gab es damals keine faire Volksabstimmung, aber sicherlich eine Mehrheit für den Anschluss. Ein Viktor Orbán in Ungarn ebenso wie Erdogan in der Türkei, Putin in Russland, der philippinische Präsident Duterte, etc., etc., ihre Herrschaft beruht jeweils auf der Mehrheitsdemokratie. Ist es nicht richtig, dass ca. 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, wie der Historiker Philipp Blom die Auffassung vertritt, die liberale Demokratie keineswegs die Norm, sondern die große Ausnahme in der Menschheitsgeschichte ist? War die Epoche zwischen dem Ende des 2. Weltkriegs und der Gegenwart ein goldenes Zeitalter, das sich nun dem Ende zuneigt?

Sind mit Trumpismus nur das bisherige US-amerikanische Image und der gute Geschmack der Demokratie westlicher Prägung die großen Verlierer oder beginnt die Weltmacht USA, wie seinerzeit das römische Empire, dezidiert unterzugehen und sind damit die Tage der Demokratie westlicher Prägung gezählt? Oder ist mit Trumpismus als Währung der Traum der liberalen Demokratie nach Francis Fukuyama (“die liberale Demokratie hat ein für alle Mal gewonnen”) geplatzt und hat eine neue Ära des Protektionismus durch rechtsextremistische Mehrheitsparteien begonnen?

Oder ist Trumpismus als Währung die ironische Kehrseite der Medaille, wie in der Geschichte der Dummheit der Menschheit, dass es eine große Katastrophe bedingt, um die Grundlage/Struktur einer neuen Harmonievorstellung der Weltordnung, wie es seinerzeit der Völkerbund war oder die UNO ist, hervorzubringen?

Im globalen Zeitalter ist nicht nur die Mobilität des Kapitals globalisiert, derjenigen à la Trumpismus, die Finanzströme um den Erdball jagen, vor allem durch Dollarisierung der Welt, in der die Mobilität des Kapitals den “Raum” aufgehoben hat und sich das Kapital dort niederlassen kann, wo die Bedingungen optimal sind, wo die höchste Rendite lockt. Die Globalisierung war gewollt, sie wurde von Menschen wie Trump durchgesetzt, die daran glaubten - und deren Interessen es nahe legten -, dass globaler Wettbewerb am besten geeignet sei, “die Menschheit” reicher zu machen. Vielmehr sind heute auch Ökologie, Migration, Terrorismus globalisiert. Die Gesetzlichkeit der Globalisierungsdynamik reicht bis zu CETA und TTIP. Das ist auch “die Macht der Globalisierungslogik”. Ist das auch der Trumpismus? Aber heute, als Gipfel der Ironie, wird vom “Weißen Haus”-Trumpismus Protektionismus, die Errichtung von Mauern zu Ursprungsbewohnern/Mexiko, die Aufkündigung von Freihandelsabkommen, etc. gefordert.

Wenn du im Meer, Dschungel oder in der Wüste bist, vergiss nie, dass du Bestandteil und Substanz des Meeres, Dschungels und der Wüste bist, eine Substanz des großen Ganzen. Das ist auch die Demokratie und Gewalt des Meeres, Dschungels und der Wüste. Wenn ich mich nicht irre, ist die Aushöhlung der Demokratie westlicher Prägung im Fortschreiten und wird von den Urhebern selbst demontiert. Du bist in der Welt, das ist dir bekannt. Aber dass die Welt in dir ist, müssen du und auch der Trumpismus wissen. Mit Recht wehrt sich der Mensch Trump gegen die Errungenschaften der 8-jährigen Administration Obamas. Aber was ist das wirklich? Ist das die zyklische Spannung zwischen Aufklärung und Gegenaufklärung? Trump ist weltweit als Geschäftsmann bekannt. Jetzt ist er ein politischer Akteur für das Ende bzw. wie o.e. den Beginn einer beginnenden neuen Ära der Zivilisation:

Fragen, die wir uns heute stellen:
● Wie steht der Trumpismus zu Putins Politik und Weltpolitik?
● Ist die Alexithymie Trumps mit Vox populi/VoxRindvieh schon vermengt?
● Was ist die Zukunft der Mehrheitsdemokratie in der Obhut der rechtspopulistischen Strömung?
● Sind die Tage der westlichen bzw. liberalen Demokratie mit dem Trumpismus gezählt?
● Wie schaut es in Europa aus, wenn mit dem Trumpismus Rechtspopulisten, wie in Österreich, Bürgerkrieg verlangen?
● Wie wird die Architektur Europas ausschauen, wenn beide Seiten des Atlantiks nur mit Mauern zu retten sind?
● Steht Faschismus in Europa eins zu eins mit einer destruktiven Kultur Anderen gegenüber, wohin führt das?
Di-Tutu Bukasa

Dazu diskutieren:
Gilbert Moyen, Cyril Chima Ozoekwe, Simone Prenner und Sintayehu Tsehay.

Moderation: Di-Tutu Bukasa