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Sendung vom 16.12.2017 16:30:

Matrjoschka Gleich und Gleich gesellt sich gern

Matrjoschka

Gleich und Gleich gesellt sich gern



Mit dem Erkenntnis vom 4. Dezember öffnet der Verfassungsgerichtshof die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Österreich ab 01.01.2019. Anlass für die Entscheidung des Höchstgerichts war die Beschwerde zweier Frauen, die in eingetragener Partnerschaft leben und die Zulassung zur Begründung einer Ehe beantragt hatten.





Gleichzeitig wurden auch jene Bestimmungen im Eingetragene-Partnerschaft-Gesetz geändert, welche die eingetragene Partnerschaft auf gleichgeschlechtliche Paare beschränkt. Damit steht dieses Institut nun auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen. Damit also Heirat und Verpartnerung für alle. Bemerkenswert ist zudem, dass Österreich in Europa das einzige Land ist, in dem die Ehe für alle durch Gerichtsentscheidung herbeigeführt wurde. In allen anderen Ländern wurde politisch entschieden. Der Anwalt, Helmut Graupner, resümiert dazu, dass in Österreich seit zwanzig Jahren „keine politische Entscheidung für Homosexuelle ohne Druck der Gerichte gefallen“ sei. (Standard, 6.12.2017)

Für die römisch-katholische Kirche geht mit der Gleichstellung der Geschlechter in der Ehe das Kamel durchs Nadelöhr, denn, wer für „…die besondere Natur der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau den Blick verloren hätte, …verneine die Wirklichkeit und schade allen“, so der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. (Standard, 6.12.2017) Auch die FPÖ fürchtet um den Status der Ehe, der nunmehr durch die eingetragene Partnerschaft für alle ausgehebelt werden könnte.

Strategisch sehen sich alle Kämpfe um Gleichberechtigung mit der Normativität der Gleicheren unter Gleichen konfrontiert. Und es scheint, als wäre es unumgänglich der Hierarchie der Gleichheit zu folgen, also etwas als erstrebenswert zu erklären, was die eigene Differenz ausschließt. Oder wäre die Forderung nach der eingetragenen Partnerschaft für alle erfolgreich gewesen?

Im Prinzip der russischen Matrjoschka erscheint die kleinere, gleiche Puppe jeweils aus der größeren, gleichen. Die besondere Kunst der Herstellung, so sagt man, liegt in der präzise gleichen Ausführung bis zum kleinsten Exemplar. Entpuppt sich nun durch die Entscheidung des Verfassungsgerichts- nach dem Gleichheitsgrundsatz- die Ehe für alle, um die sich alles drehte, als Gefäß für die größere Gleiche, die eingetragene Partnerschaft für alle?



Seit fast 30 Jahren kämpft die HOSI Wien für die Gleichstellung schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften. Wie haben sich die Diskurse um Gleichberechtigung einerseits und Autonomie und Emanzipation andererseits seither verändert? Und was bedeuten diese Entwicklungen für die politische Differenz und strategische Ausrichtung einer „Organisation mit Geschichtsbewusstsein“?

Dazu diskutieren wir mit unserem heutigen Gast, dem Generalsekretär der HOSI-Wien, Kurt Krickler.

Simone Prenner