ICAP
Zur Übersichtsseite von ICAP.
Sendung vom 27.01.2018 16:30:

“Shithole Countries” : Der Urheber Trump, ...

“Shithole Countries” : Der Urheber Trump, die Zuschauer und die Gedemütigten - Die Geschichte dreier Figuren

Betrachtet man historisch gesehen die Kehrseite der Medaille des Faschismus, dann war er immer ein gescheiterter Versuch, Antwort auf gesellschaftliche Probleme zu geben sowie ebenfalls ein Versagen, aus der eigenen Optik der “Demokratie” Flügel zu verleihen. Im Weltmaßstab betrachtet zeigt sich Faschismus im Zusammenhang mit Trumps “Shithole-countries”-Äußerung als Ausdruck des Versagens bezüglich der anthropologisch erreichten Grundwerte wie Würde, Gleichheit und Gerechtigkeit, um ein einigermaßen friedliches Leben auf diesem Planeten heute und morgen zu gewährleisten. Es ist zugleich ein Ausdruck von Trumps Versagen seit seiner Nominierung als 45. Präsident der Vereinigten Staaten sein Versprechen, “...to make America great again”, umzusetzen.
Bezüglich Faschismus waren bzw. sind auch heute symbolisch immer drei Akteure beteiligt: Der Katalysator/Urheber/political criminal, der Zuschauer/das Publikum und der unmittelbar Gedemütigte - deren gemeinsame Geschichte. Damals im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus war der “Jude” der Gedemütigte. Heute sind es für den “Mundl” aus Washington D.C., Donald Trump, statt den “Juden” alle schwarzafrikanischen Staaten zuzüglich Haiti. Faschismus beginnt immer mit faschistoiden Inhalten.
Was steckt wirklich dahinter? Während in den USA die Qualifizierung “shithole countries” symptomatisch einen großen Umbruch signalisiert, ein Abdanken der USA als demokratische Führungsmacht mit Trump, der das Weiße Haus in ein Tollhaus verwandelt, sind in Österreich die bekannt gewordenen Liedtexte der Germania rund um Udo Landbauer ebenfalls ein Korrelat dieser Entwicklung, nämlich die große Angst vor einem Verlust der eigenen “Größe” und die große Sehnsucht nach (Wieder)Herstellung. Sie entspringt aus dem Gefühl von Verlust, also einer Sehnsucht nach Sinn.
Die Abdankung der USA als demokratiepolitisches Modell begann schon früher mit dem katastrophal falschen Irak-Krieg von George Bush jun. Zur Tradition geworden ist im Zusammenhang mit Watergate Richard Nixon, dass es einen immer breiter werdenden Graben zwischen den Anreizen, die die Kandidaten in öffentlichen Ämtern sehen und den Interessen der amerikanischen Bevölkerung. Jetzt verwendet Donald Trump nach David Cay Johnston, einer der renommiertesten US-Investigativjournalisten, sein Präsidentschaftsamt, um sich persönlich zu bereichern und all jene zu verleumden, die ihm widersprechen - ganz wie es Diktatoren oder Möchtegern-Diktatoren zu tun pflegen. Johnston macht die Conclusio, dass Trump nicht die Krankheit ist, die Amerika befallen hat, er ist ihr Symptom. Dass Millionen Menschen für einen narzisstischen, von Faktenwissen unbeleckten Trickbetrüger gestimmt haben, der sein Leben lang andere beschwindelt und Menschen aus seiner Umgebung wiederholt zu kriminellen Handlungen und Gewalt gegen seine Kritiker genötigt hat, sagt mehr über Amerika aus als über Trump, so Johnston. Bezogen auf Österreich im Zusammenhang mit dem Germania-Liedgut stellt z.B. der ehemalige Vizekanzler Erhard Busek fest: “Das ist nicht nur ein internes Problem der FPÖ, das ist auch ein Problem der ÖVP” (seiner eigenen Partei). “Das Problem ist, dass die FPÖ sich wesentlich auf solche Leute stützt”. Mit dem Festhalten an Landbauer rücke man “sichtbar nach rechts”. So seien alle Kurskorrekturen von FPÖ-Chef H.C. Strache hinfällig. Auch wandten sich Universitätsrektoren und -professoren in einem Brief an Kanzler Kurz: “Das ist ein Aufruf zum Massenmord”… und ... “beenden Sie die Zusammenarbeit mit allen, die Mitglieder von rechtsextremen Burschenschaften in ihren Büros beschäftigen”.
Wie es in anderen Buden zugeht, zeigt auch ein Screenshot vom Gschnas-Fest der Germania Wien im Februar 2008. Damals verkleidete man sich offenbar als Ku-Klux-Klan-Mitglieder.
Udo Landbauers eigene Verteidigung als ex-stellvertretender Germania Vorsitzender Wr. Neustadt, dass es sich um Heimat- und Soldatenlieder handelte, dass er von Antisemitismus und NS-Nostalgie nichts gewusst habe, dass in seinem Liederbuch Seiten herausgerissen oder Passagen geschwärzt gewesen seien, ist so, als ob man sagt: Ich habe mich mit Wasser gewaschen, bin aber nicht nass geworden, und im Wasser des Flusses sind kleine Fischlein nicht zu erahnen - das ist einfach lächerlich. Außerdem sind alle Fasern dieser Bundesregierung durchzogen von Mitgliedern deutschnationaler Burschen- und Mädelschaften; noch nie in der Zweiten Republik war der Anteil an Korporierten in den Ministerien so hoch.
Zur Lage der Nation Österreich wirft Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn Kanzler Sebastian Kurz vor, dass er die Sprache Donald Trumps spricht: Der US-Präsident sagt, wenn jedes Land dafür sorgt, dass es ihm gut geht, geht es am Ende allen gut. Und Kurz sagt, jedes Land entscheidet allein, ob es Flüchtlinge annimmt. Auf diese Weise funktioniert die EU aber nicht, Kurz versteht das Einmaleins der EU nicht, so Asselborn. Weiters wirft Jean Asselborn Kurz vor, dem Visegrád-Fünfer-Zirkel anzugehören. Wenn wir Polen oder Ungarn als Referenz nehmen, sind wir tief gefallen. Sebastian Kurz hat sich in der Flüchtlingsdebatte hinter Länder wie Polen oder Ungarn gestellt, die eine Umverteilung von Migranten in der EU ablehnen. Für Asselborn ist dieser Schulterschluss ein Beleg dafür, dass Kurz Österreich außenpolitisch an die sogenannte Visegrád-Gruppe aus Polen, Ungarn, Tschechien und Slowakei andocken will. Der Trend dieser ÖVP-FPÖ-Politik riecht nach einem faschistoiden Verhalten, ähnlich wie bei Trump.
Zwar ist der Geschmack, Menschen zu demütigen, wie im Zusammenhang mit Kickls Äußerung, Asylwerber „konzentriert” unterzubringen, nicht ident mit Trumps Politik, aber analog dazu. Trump ist ein Beweis dafür, dass er sein Land in Misskredit führt, dass er seit seinem Amtsantritt mit dem Ausdruck “America first” an allen Fronten versagt hat. So bleibt ihm die letzte Karte mit “shithole countries”, die introspektiv ein Panorama ungelöster subjektiver, sozialer und emotionaler Probleme dokumentiert. Dieser Ausdruck beschreibt interaktiv Trumps eigene Geschichte als Täter und political criminal wie o.e. sowie die Geschichte der kollektiven Zuschauer wie von dir, mir und der Europäischen Union.
Die “Shithole-countries”- Konnotation dokumentiert nicht nur die Geschichte der drei Akteure, die interaktiv agieren, sondern es ist insbesondere eine Geschichte der 40 Prozent der Erwachsenen, deren Hauptnachrichtenquelle die Fox-News, einem rechtsgerichteten Sender, sind, die Trumps Spiel auf der Klaviatur der Angst mit offenem Rassismus, fremdenfeindlicher Ausgrenzung und ökonomischem Populismus unterstützen. Die Kehrseite von Trumps “Shithole-countries”-Konnotation sei hinsichtlich “to make America great again” die Realität, die seinen Traum einholt und ihn herausfordert, einen politischen Raum in Zukunft zu gestalten, was er aber nicht kann. Gerade in einer Zeit, in der es der Humanismus schwer hat, siehe die Diskussion um die Geflüchteten oder das Hinnehmen des Syrien-Kriegs; gerade in einer Zeit, in der viele wesentlichen Fragen nicht mehr von Kategorien wie Verantwortung oder Schuld zu trennen sind, siehe das Schicksal unseres Planeten und die Frage unserer Kinder, warum wir so zu blöd waren, etwas zu tun; gerade in einer Zeit, in der der “kapitalistische Realismus” (Mark Fischer) alle Alternativen ausblendet, ist die Radikalität der Hoffnung und der Träume notwendig, um ein Überleben zu visionieren. Es geht angesichts der Krise des Alten grundsätzlich längst darum, die Gestalt des Neuen zu erkennen. Das funktioniert aber nur, wenn man die Doppelbödigkeit der Wirklichkeit annimmt und Politik wieder zu etwas Umfassendem macht, das die Gesamtheit dessen umfasst, was den Menschen zum Menschen macht und das auf die Frage hinausläuft, wie das gute Leben
für möglichst viele, möglichst alle, erreichbar ist. Wenn mit den Burschenschaftern im Parlament der Streit zurückkehrt, zeigt das nur, wie tief die Maßstäbe gesunken sind.

Die Frage lautet, ob die “Shithole-countries”-Konnation Trumps
eine Herausforderung für eine andere europäische und globale Weltordnung ist?
Di-Tutu Bukasa

Dazu diskutieren: Cyril Chima Ozoekwe, Simone Prenner und Sintayehu Tsehay
Moderation: Di-Tutu Bukasa