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Sendung vom 05.05.2018 16:30:

Der Bruch - Rupture...

Der Bruch - Rupture
Was jeder/jede braucht, um einen Sprung weiterzukommen



Fake News I: Statt die geschichtlich mystisch verbotene Frucht wie im Garten Eden zu essen, hätte sich Eva nach Adam mit Luzifer eingelassen und deshalb habe die Frau die Ursünde begangen, die bis heute zur Diskriminierung der Frauen geführt hat.
Ist die #MeeToo-Kampagne eine Form der Rupture, des Bruchs mit solchen Traditionen - eine gewagte Behauptung?

Fake News II: Um historisch intergenerationell gesehen die Gewichtigkeit die Fake News rund um Jesus zu belegen, sollte Jesus von Nazareth kurz bevor er starb, gesagt haben: “Vater hast du mich verlassen”, nachdem er als erster “believer” die Hoffnung aufgegeben hatte, dass noch ein Wunder mit “humans”/Menschen geschehen würde.
Mit seiner vertikalen Gott-Vater-Besessenheit war dies aber der ultimative Moment für die Rupture, den Bruch mit ihm. Statt vertikaler Fake News namens Gott der Allmächtige sollte Jesus eigene Prediction/sein eigenes Narrativ gelten, nämlich liebe den Nächsten wie dich selbst. Das war nicht nur der Bruch mit seinem angeblichen Gott-Vater, sondern auch dem Dilemma - du sollst nur den einzigen, absoluten Gott lieben -, eine neue Perspektive der Hoffnung zu verleihen.
Der Versuch, beide Narrative zu verbinden, nämlich du sollst den einzigen Gott (vertikal) lieben und/oder den Nächsten, wie dich selbst (horizontal) lieben, d.h. auch den Anderen oder Fremden zu amalgamieren, spaltet und verwirrt unbewusst den normalen “believer”. Die heutige semi-chaotische Weltlage reflektiert diese Rupture schamlos.

In der Eurozone fehlt außer Macon auch ein Narrativ für einen Neustart: Man hat durch Macron und Merkel gehofft, dass der Eurozone ein neuer Schwung verliehen wird. Aber, wie man sieht, gibt es bis zum Sommer kein mehrheitsfähiges Konzept, wird Macrons Reformplan im aufziehenden Europawahlkampf zerrieben. Mit einem französischen Reform-Präsidenten hätte sich der Schwung der Solidarität mit Solidität verbunden. Aber im Gegenteil sind die Euroskeptiker der Meinung, dass z.B. ein europäischer Finanzminister, wie ihn Macron fordert, in Brüssel wahrscheinlich mehr Verwirrung als Klarheit schaffen würde, weil niemand wissen würde, ob der Ressortchef nun der EU-Institutionen oder den nationalen Regierungen verantwortlich ist. Einen eigenen Haushalt für die Eurozone in dreistelliger Milliardenhöhe zu schaffen, ist immer eine Hürde. Um den Plan zu finanzieren, müssten die EU-Länder entweder gigantische Sparprogramme auflegen oder in großem Stil Steuern erhöhen. Das eine ist so unrealistisch wie das andere, und so ist es kein Wunder, dass der Vorschlag außerhalb Frankreichs so gut wie keine Unterstützer findet.

Es muss gesagt werden: Es gehört zur Absurdität der deutschen Währungsdebatte, dass Europas Euphoriker dem Projekt oft genauso viel Schaden zufügen wie die Skeptiker. Obwohl eine deutsch-französische Ökonomengruppe schon vor Monaten schon ein Konzept für einfachere und praxisnähere Haushaltsregeln vorgestellt hat, sind immer die nationalen Interessen vorrangig. Sogar hatte der frühere deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble einen fertigen Plan, den europäischen Rettungsschirm ESM zu einem Währungsfonds weiterzuentwickeln, der auch vorbeugend für Konjunkturhilfen ausreichen könnte. Doch es fehlt immer ein klares deutsches Narrativ für die Eurozone. Es fehlt eine konkrete Rupture, die Europa Flügel verleihen würde.

Hierzulande fehlt ebenfalls ein Narrativ, eine Erzählung, wofür man steht. Am Beispiel der SPÖ ist nach Hans Rauscher (Standard vom 2.5.2018) das Paradoxe im Gange. Das liegt unter anderem an den ungeheuren Erfolgen der Sozialdemokratie: Ein so breit wie nie ausgebauter Sozialstaat. Sicherheit, wie sie nie zuvor für so breite Schichten bestanden hat. Das Paradoxe daran: Die alte Klientel der Sozialdemokratie wählt rechts(populistisch), weil sie fürchtet, diese Errungenschaften zu verlieren.

Angesichts des Mehrheitsdemokratie-Modells stellt sich die Frage, ob im Anspruch auf das vergangene Woche in Wien stattgefundene Event “Peace Starts With Me” eine Rupture, ein Bruch mit dem bisherigen Ballast von Nationalismen, Minderheiten hin zu neuen Narrativen der Demokratie jenseits der Nationalstaatengrenze-Kulturen der Beginn eines Gesellschaftsvertrags für ein friedliches gesellschaftliches Zusammenleben sein kann?
Di-Tutu Bukasa

Es diskutieren Lena Marinova,Cyril Chima Ozoekwe, Simone Prenner und Sepp Zaunegger.
Moderation: Di-Tutu Bukasa