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Sendung vom 12.05.2018 16:30:

Generationelle Rupture - Epochenbruch

Vor und nach Jesus hielten die Menschen Kometen und andere Himmelserscheinungen noch für Vorboten großer Umwälzungen und langen Elends, genauso wie Sturmfluten, Hagel oder andere Starkwetterereignisse. Menschen sahen alles was am Himmel geschah, als müsste das die Rute Gottes sein. Ein Zeichen, durch das der Allmächtige seinen Zorn offenbarte. Mit Schlechtwetter und mieser Ernte hatte der Herr sie schon in den Vorjahren bestraft, mit Hunger und Ruhr und Pestilenz. Nun aber drohte weit größeres Unheil; davon waren die Menschen überzeugt, die damals in den Städtchen und Sprengeln des Heiligen Römischen Reiches lebten. Sie sollten Recht haben. Das Ganze hinterließ die Spur eines Paradoxons: Zwischen der absoluten weltlichen Liebe des Gottallmächtigen mit dem vertikalen Blick nach oben und Jesus horizontalem „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ entstand ein Mehr als ein Paradoxon - ein Bruch zwischen dem allmächtigen Gott und seinem Sohn. Der Sohn musste sterben- „Vater, warum hast Du mich verlassen“ sagte Jesus-, aber das Narrativ Jesus triumphierte für die Menschheit (ein Konsensus): „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Aber dieses Narrativ Jesus verbirgt einen weiteren Bruch/ Rupture. Weil zwischen menschlicher Liebe immer ein konstanter defizitärer Zustand sei und zwar gemäß der damaligen Optik des Gesetzgebers, wurde Jesus wegen seinem unermüdlichen Plädoyer zur Liebe, ein „libertäres Narrativ der Liebe“, gekreuzigt, gedemütigt und entblößt, aber nicht wegen „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das ist bis heute eine gewagte Rupture/ Bruch der politischen Tradition.
Di-Tutu Bukasa