Player
Zur Zeit spielt o94 musik. Bei klick auf den Button öffnet sich der Player in einem neuen Fenster
Kapitalismuskritik
Zur Übersichtsseite von Kapitalismuskritik .
Sendung vom 31.07.2019:

Lateinamerika heute: Ecuador, Teil 3

Wem gehört das Land?

Wenn im Verfassungsprojekt Correas steht, daß er Lebensmittelsicherheit erreichen will, aber gleichzeitig keine Grundbücher existieren und die meisten Bauern gar keinen Rechtstitel auf das Land haben, das sie bestellen – wie soll diese „Sicherheit“ zustande kommen?

Die Einbeziehung der Landbevölkerung in die Machtkämpfe, die in Ecuador üblich ist, beruht auf deren prekären Status als Besitzer des von ihnen genutzten Landes. Das geschieht mittels Versprechungen und Stimmenkauf, der meistens in – sehr bescheidenen – Naturalzuwendungen besteht.

Wenn bei Wahlen in Lateinamerika – und anderswo – mit Stimmenkauf und Wahlfälschung der in den USA und der EU geschätzte Kandidat, also der „Richtige“ an die Macht kommt, so wird übrgens nie nachgeschaut, ob es da mit rechten Dingen zugegangen ist.

Das Klientelwesen, das sich um wohltätige Regierungen entwickelt, unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen in Ecuador.

Kampf um die Meinungsbildung zwischen staatlichen und privaten Medien. Das kennt man ja nicht nur aus Ecuador. Die Pressefreiheit ist stets ein beliebtes Thema, wenn gegen eine mißliebige Regierung Stimmung gemacht werden soll.

Über Verfassungen und deren Überschätzung – sie können jederzeit bei den entsprechenden Kräfteverhältnissen geändert werden.

Ecuador und Julian Assange – warum erhielt er Asyl zu Zeiten Correas, warum wurde es von dessen Nachfolger Lenin Moreno aufgekündigt?
Der außenpolitische Kurs Correas wurde von seinem Nachfolger negiert.
Das Zerwürfnis mit Assange geht aber schon auf die Regierungszeit Correas zurück und hängt mit den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens zusammmen, und der Parteinahme von Wikileaks für selbige.

Die „Turcos“ – Nachfahren der Einwanderer aus dem Nahen Osten, Vertreter der Geschäftswelt und des Liberalismus. Eher Vertreter der städtischen Bevölkerung, hin und wieder etwas korrupt ... (Menem in Argentinien, Bucaram, Mahuad in Ecuador)

Grenzkonflikte: Ecuador ist klein und schwach, Peru und Kolumbien respektieren die Grenzen nicht immer.
Grenzgebiete – exterritoriale Zonen, die dem Gewaltmonopol des ecuadorianischen Staates – und vermutlich auch der Nachbarstaaten – gar nicht unterstehen. Dort bestimmen Schmuggler, Drogenhändler und Guerilla miteinander und gegeneinander, was gerade Sache ist.
Das ist auch das Gebiet, wo 2008 der kolumbianische Guerillaführer Raúl Reyes mit verschiedenen anderen Leuten durch Luftangriffe umgebracht wurde.

Noch einmal zurück zu den Eingeborenen/Indigenas: Wem gehört das Land? Wie kommt das Grundeigentum zustande? Die Nachfahren der Ureinwohner sind rechtlos, das Land gehört ihnen nicht. Sie können jederzeit vertrieben werden, wenn es wichtigere Akteure gibt, die auf das Land Anspruch erheben: Ölgesellschaften, United Fruit usw.
In Ecuador sind ca. 8% der Bevölkerung Indigene, die ständig um ihre Existenzgrundlage zittern müssen.
Es finden sich auch Organisationen und Politiker, die diese Bauern mit unsicheren Besitztiteln für sich einspannen, und das macht die Politkultur Ecuadors aus.

Playlist / Zusatzinfo:

Amelie und Jeimy | Ecuador 3 | 40 Minuten || Rio Mira: Guarapo | Niña Elena | Román Román || Peña: El Condor Pasa

Zum Nachhören