Player
LIVE SEIT 22:00
Zur Zeit spielt KISS-FM (Living in Beč). Bei klick auf den Button öffnet sich der Player in einem neuen Fenster
BIS 23:00
Musik aus Österreich
Zur Übersichtsseite von Musik aus Österreich.
Sendung vom 05.12.2019 14:00:

Birgit widmet sich: Laura Rafetseder

Musik aus Österreich

Laura Rafetseder liebt es, tief ins Innenleben abzutauchen. Nach dem Schwimmen in der Arktik (Swimmers in the Arctic Sea 2016) sind es die inneren Ozeane, die ihre Aufmerksamkeit erregen. Dort brennen Feuer, die der Wind anfacht und spielen Schatten in der Dunkelheit (Fire at the bottom of the ocean). Aber sie besingt nicht nur das Feuer, das uns antreibt und die Tiefe, die uns anzieht. Wir sind auch eingesperrte Raubtiere (Running Wild) und dunkle Schmetterlinge.
Denn das Leben in den späten 2010er-Jahren ist kompliziert. Online-Dating macht scheinbar eine never ending Flut an Möglichkeiten auf. Das klassische Familienmodell funktioniert immer weniger, immer mehr Menschen beginnen neue Formen von Beziehungen auszuloten - und stoßen dabei an die Grenzen der Klassengesellschaft. Wir sind getriebene, und sie versucht uns mit Geboten und Verboten zu kontrollieren, statt uns die Möglichkeit zu geben, zu untersuchen, wer wir denn wirklich sind und sein wollen. Die Vorabsingle Running Wild ist eine Variation auf das Thema „a prayer for the wild at heart kept in cages“ – während The Bluest Hour fragt, ob es nicht wir selbst sind, die uns zu Gefangenen unserer selbst machen.
Laura Rafetseder stellt einmal mehr die Frage nach der Liebe jenseits der Klassengesellschaft - in einer Gesellschaft frei von Frauenunterdrückung, Profitlogik und den ökonomischen Fesseln, die uns verwehren, so zu leben, wie wir leben wollen. Es geht dabei um ein umfassenderes Sein. Es ist die Sehnsucht danach, die uns ausmacht. Weibliche Sexualität wird im Kapitalismus stets auf das verwertbare reduziert, alles wird zur Ware. Bin ich Objekt oder Subjekt, bzw. wer macht mich dazu? Wo beginnt und endet Selbstbestimmung? Wenn weibliches Begehren gesellschaftlich akzeptiert ist, wieso verstecken wir es dann - und wie gefährlich ist es, das nicht zu tun? Wie schützen wir uns vor ungebetenen Reaktionen? Warum funktionieren individuelle Lösungen nicht? Und warum ist das System das Problem?
Die Songs auf „Driven Creatures“ sind nach 3 Jahren Online-Dating entstanden, mit Hoch und Tiefs, dem Treffen interessanter Menschen, sich Ver- und Entlieben, Gewinnen neuer Freundschaften und dem Entstehen künstlerischer Kollaborationen. Kurz, einer Reise zu sich selbst. Es sind Songs des Begehrens und des Scheiterns (Bluest Hour, Tears of mine), aber auch der Ungewissheit (What will it be). Denn was finden wir, wenn wir an den Grund des Ozeans abtauchen? Doch nur uns selbst (The Inner Sea). Sich selbst zu lieben, ist gar nicht so einfach.

MusikerInnen: Laura Rafetseder (Git., Voc.), Stephan Steiner (fiddle, harmonica), Fritz Rafetseder (Piano), Marc Bruckner (Perc., Udu, Slide Git.), Tian Lichtenberger (Git.)