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Kapitalismuskritik
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Sendung vom 01.01.2020 13:00:

Die Türkei, Teil 1

Was will eigentlich die Türkei? Was ist ihre Staatsräson?

Überarbeitete Wiederholung der Sendung vom 9.11./O94SPEZIAL

Zur Einleitung ein Überblick über die 3 VERTRAGSWERKE, die zur heutigen Türkei geführt haben.

1. Der Vertrag von Sèvres (1920): Zerschlagung des Osmanischen Reiches, Beschränkung auf einen Teil Anatoliens, eigene Staaten für Armenier und Kurden, Besatzungsregime für die Küstenstreifen und die Meerengen

2. Der Vertrag von Lausanne (1923): Anerkennung der militärischen Erfolge der türkischen Armee, Festlegung der Grenzen der heutigen Türkei (Ausnahme: Sandschak von Alexandrette, als Provinz Hatay 1938 aus dem französischen Mandatsgebiet annektiert) – die Türkei wird von den Siegermächten des I. Weltkriegs als Machtfaktor in der Region anerkannt. Die Kontrolle über die Meerengen bleibt aber in der Hand der Siegermächte.

Der Vertrag von Montreux (1936): Er stellt erst die vollständige Souveränität der Türkei her. Sie erlangte damit die Kontrolle über die auf ihrem Territorium befindlichen Meerengen.
Das war der Preis, den GB und Frankreich zahlten, um die Türkei von einer Allianz mit Hitlerdeutschland abzuhalten.

– Einschub: Diese Souveränität der Türkei über die Meerengen hat auch seine Rolle im Ossetienkonflikt 2008 gespielt – da ist den USA klargemacht wurden, daß die Türkei kein reiner Befehlsempfänger von USA oder NATO ist –

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Die KURDEN als ungeliebte Minderheit – ein Ergebnis des Vertrags von Sèvres und der nationalstaatlichen Ausrichtung der Türkei. Die Kurden werden als Gefahr für die nationale und territoriale Einheit der Türkei wahrgenommen.
Staatsvolk, Träger der Nation versus Minderheiten – ein Evergreen der Innenpolitik vieler Staaten, nicht nur der Türkei.
Die PKK, Öcalan und Syrien
Die Kurdengebiete im Nordirak – bereits seit dem Irak-Krieg 1991 lange Zeit ein Ärgernis für die Türkei
Die Türkei als Faktor in der möglichen Neuordnung Syriens und als Ärgernis für die NATO

NATION und RELIGION im Wechselspiel in der Geschichte der Türkei
Die Religionsbehörde Diyanet
Der Militärputsch von 1980 und die NATO
Necmettin Erbakan und Millî Görüş: Die Entdeckung der türkischen Diaspora als außenpolitische Waffe – die türkischstämmige Bevölkerung Europas als Agenten der türkischen Außenpolitik

STAAT und RELIGION: Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist – eine sehr interpretationsbedürftige Gebrauchsanweisung: Was ist wessen?
Wenn sich ein Staatswesen der Religion bedient für seine Ziele, hat es immer das Risiko, daß die Religiösen sich auch gegen diese Staatsgewalt kehren können – siehe USA und Al Qaida.

Das SELBSTBESTIMMUNGSRECHT DER VÖLKER – ein Dauerbrenner der imperialistischen Politik – das wird angewendet, wie es den derzeitigen Großmächten eben gerade in den Kram paßt.
Beispiele: Jugoslawien, Österreich-Ungarn, Entkolonialisierung nach 1945 –
Das Prinzip steht dem der „territorialen Integrität“ und der „Unveränderlichkeit der Grenzen“ gegenüber und beide Prinzipien werden eben immer genau so eingesetzt, wie es gerade genehm ist.

Zurück zur Türkei – Selbsterhalt gegen Expansion

Fortsetzung am 15.1.

Playlist / Zusatzinfo:

Monika, Herbert & Amelie
von den Sendereihen:
Monikas musikalische Reise
Kein Kommentar
Kapitalismuskritik
39 Min. (ohne Musik)

Musik:
Sakina Teyna: Usar (von „Sakina & Friends: Longing“, 2019)
Zeynel Kahraman: Cura-Instrumental (von „Kurdische Barden – Musik aus Dersim“)
Grup Yorum: Sen Varsin Ya (von „Ille Kavga“)
Sakina Teyna: Rojavayê Dilê Min (von „Sakina & Friends: Longing“, 2019)
H. & G. Türkmenler: Taksim (von: „Songs And Dances from Turkey“)

Zum Nachhören