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Sendung vom 19.06.2006 20:00:

176. radio%attac - Sendung

1. Walden Bello: Die globalisierte Welt und ihre Gefahren 2. EUROPA: Mit Theqter aus der Krise? 3. Grundeinkommen

1. Walden Bello: Die globalisierte Welt und ihre Gefahren


Für die rasenden Reporterinnen von radio%attac, allen voran Angelika Hofmann, überschlagen sich wiedereinmal die Ereignisse: Kaum ist das ESF in Athen bewältigt, steht schon wieder ein neues Ereignis bevor, das österreichische Sozialform in Graz, welches letzte Woche stattgefunden hat.
Eines der bestimmenden Themen war da wie dort der Konflikt der USA mit dem Iran. Obwohl gewalttätige Auseinandersetzungen nicht mehr so wahrscheinlich waren wie noch vor einer Woche, ist das Interesse der USA am Nahen Osten ungebrochen.
Der alternative Nobelpreisträger Walden Bello macht die zahlreichen militärischen wie medialen Niederlagen der USA im Irakkrieg für die Entspannung des Konfliktes mit dem Iran verantwortlich. Die gesunkene Glaubwürdigkeit der USA erschwere Bündnisse mit anderen Staaten und schwäche ihre Einflussmöglichkeiten dadurch nachhaltig.
Walden Bello ist Professor für Soziologie an der Universität der Phillipinen und Gründer der Organisation „Focus on the Global South“. Am ESF in Athen gab uns der unermüdlicher Menschenrechtskämpfer aus den Philippinen ein Interview. Thema: Die globalisierte Welt und ihre Gefahren:
Informationen über Walden Bello und die Organisation „Focus on the Global South“ gibt’s unter: www.focusweb.org




2. EUROPA: Mit Theater aus der Krise?


Neoliberale Politik hat das „Friedens- und Wohlstandsprojekt“ EU in die Krise geführt. Die einseitig wirtschaftliche Integration zerstört den sozialen und ökologischen Frieden. Immer mehr Menschen verlieren ihre sozialen Absicherungen, ihre Arbeitsplätze in der globalen Standortkonkurrenz. Die Europäischen Werte – Freiheit, Demokratie, Menschenrechte – verkommen zur Staffage. Der wahre europäische Leitwert ist der Wettbewerb.
Entsprechend ist die Reaktion der Bevölkerung. Nur noch 49% der Menschen halten die EU für eine „gute Sache“. Die Referenden in Frankreich und den Niederlanden sind gescheitert. Jetzt versucht die offizielle Politik mit fragwürdigen Inszenierungen wie „Sound of Europe“ oder „Café d´Europe“ die Krise zu kaschieren. Sie bedient sich der Kultur als Identität stiftendes Vehikel. Mit solchen Inszenierungen und dem „Plan D“ (Demokratie, Diskussion, Dialog) soll die Zustimmung zum neoliberalen Projekt hergestellt und der „Mehrwert für die Bürger“ kommuniziert werden. Theater statt Demokratie.
Diesem Thema widmete sich vorige Woche eine Politikmatinee im Wiener Volkstheater. Die Organisatoren drehten dazu den Spieß einfach um: Demokratie im Theater statt politischem Kasperltheater. Corinna Milborn, Autorin von „Gestürmte Festung Europa“ und Christian Felber, Attac-Mitbegründer und Mitherausgeber des kritischen EU-Buchs dikutierten am Podium mit Marlene Streeruwitz, Daniela Strigl, Michael Köhlmeier, Doron Rabinovici .




3. Grundeinkommen

Am Donnerstag, dem 22.Juni, wird im Wiener Wirtschaftsmuseum eine Veranstaltung zum Grundeinkommen stattfinden. „Jetzt! Grundeinkommen für alle!“ ist der Titel, am Podium sitzen u.a. die Wiener Philosophen Manfred Füllsack und Karl Reitter, Klaus Sambor von Attac und die Psychotherapeutin Monika Krampl.
Das Grundeinkommen wird von vielen als die Lösung für das größte Problem der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in den Staaten des Nordens hochgejubelt. Die industrielle Entwicklung sorgt seit mehr als 200 Jahren für eine kontinuierliche Steigerung der Produktion, gleichzeitig profitieren immer weniger Leute von diesem Reichtum, in verschärfter Form wieder in den letzen beiden Jahrzehnten.
Grund dafür ist die sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit, die durch diese Produktionssteigerungen hervorgerufen wurde. Noch immer werden Menschen mehr und mehr von Maschinen und immer effizienteren Produktionsweisen ersetzt. Mit dem Grundeinkommen würde man das in den Griff bekommen, meint zum Beispiel der Wiener Philosoph Manfred Füllsack. Arbeit und Einkommen könnten so entkoppelt werden. Ein weiteres gutes Argument für das Grundeinkommen kam in einer unserer letzen Sendungen von Marianne Gronemeyer: Unser Wirtschaftssystem ist nicht nachhaltig: die sogenannten Entwicklungsländer können beispielsweise niemals soviel Ressourcen wie die Industrieländer verbrauchen und damit ist auch dasselbe Wohlsstandslevel in diesem Wirtschaftssystem nicht möglich. Da annähernd jede nur erdenkliche Lohnarbeit dieses Wirtschaftssystem reproduziert und damit destruktiv ist, ist die rationalste, effizienteste Tätigkeit die Untätigkeit bzw. die unbezahlte Tätigkeit .
Dienstleistungen die im jetztigen Wirtschafssystem nicht mehr finanzierbar sind, wie zum Beispiel die Altenbetreuung, könnten mit einen Grundeinkommen gewährleistet werden.
Monika Krampl und Ludwig Guttmann sind die Organisatorinnen der Veranstaltung „Jetzt! Grundeinkommen für alle“ und wurden dazu von radio%attac interviewt. Eine der häufigsten Einwände gegen die Einführung des Grundeinkommen ist die Auffassung, dass niemand mehr arbeiten würde, wenn er nicht müsste. Obwohl die Effekte dieser Untätigkeit wie eben angemerkt, eher positiv als negativ bewertet werden sollten.
Finanzieren sollen das Grundeinkommen nach Ansicht des liberalen Soziologen Ralf Dahrendorf die Privatwirtschaft, die mit dem Abbau der Arbeitskräfte die Arbeitslosigkeit ausgelöst hat. Schließlich wurde der Kuchen ja insgesamt mehr, nur die Köchinnen, sprich die Arbeiterinnen, wurden weniger.
Die Veranstaltung „Jetzt! Grundeinkommen für alle!“ wird am Donnerstag, dem 22.juni, im Wiener Wirtschaftsmuseum stattfinden. Mehr Infos dazu gibt’s auf www.attac.at bzw. auf www.initiative-grundeinkommen.info

musik gabs diemal von yann tiersen, und zwar aus den alben Rue des Cascades und Le Phare.
mitgearbeitet haben: Gerhard Gutschi, Angelika Hofmann und Johannes Steinbock.