Meine Jazzkiste
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Sendung vom 25.08.2010 23:00:

Swinging Kittens – Frauen im Jazz [2]

Folge 20 - Meine Jazzkiste

Die Frauen im Jazz, im Gegensatz zu den “cool cats“ wurden sie als “swinging kittens“ von ihrem Publikum bezeichnet, hatten es schwer sich gegen ihre männlichen Berufskollegen und der Clique der Kritiker durchzusetzen. Diejenigen Mädchen, die sich trotzdem für den Beruf oder für eine Karriere als Jazzmusikerin entschieden haben, zeichneten sich vor allem nicht unbedingt durch ihre Anlage oder Talent allein aus, sondern vielmehr durch ihren eisernen Willen und ihr Stehvermögen. So berichten immer wieder die erfolgreichen Instrumentalisten der Jazzgeschichte in ihren Interviews, wie hart sie einerseits gegen Stereotypen, Vorurteile und einen männlichen Chauvinismus ankämpfen mußten, andererseits wie hart sie um einen Stuhl in den geldbringenden Kapellen berühmter Musiker kämpfen mussten. Man sagt, hinter einem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, aber so mancher Jazzmusikerin stand ein starker Mann zur Seite. Überhaupt sind sogenannte Musikerehen sehr verbreitet in der Jazzgeschichte. Das beste Beispiel ist Marian McPartland, die mit ihrem Mann Jimmy McPartland eine erfolgreiche Truppe leitete. Aber auch Carla Bley gehört zur ersten Liga der Jazzkomponistinnen, die in ihrer ersten Ehe mit dem Pianisten Paul Bley verheiratet war, und in dem aus Wien stammenden Jazztrompeter Michael Mantler ihren zweiten Ehemann gefunden hat, und mittlerweile mit ihrem Partner Steve Swallow zusammenlebt und arbeitet. Die große Alice Coltrane entwickelte in der Ehe mit John Coltrane erst ihre Eigenständigkeit und ihre volle kreative Schöpfungskraft. Ebenso war Toshiko Akiyoshi mit den Musikern Charlie Mariano und Lew Tabackin verheiratet und hatte mit ihrem Ehepartnern sogar Kinder. Auch die amerikanische West-Coast Trompeterin Barbara Donald, die unter dem Einfluss von Miles Davis und Clifford Brown das Trompetenspiel erlernte, fand in ihrem Ehemann, dem Saxofonisten Sonny Simmons ihren kollegialen Partner. Die US-Sängerin Blossom Dearie machte ihre interessantesten Aufnahmen mit ihrem damaligen Ehemann, dem belgischen Saxofonisten und Flötisten Bobby Jaspar. Und die wunderbare Vokalistin Jeanne Lee war bis zu ihrem frühen Tod mit dem Multiinstrumentalisten Gunter Hampel verheiratet, und sie musizierten gemeinsam mit ihren Kindern. Mittlerweile tritt eine frische Musikerinnen-Generation auf den Plan, die mit einem feministischen Selbstbewußtsein dabei ist, alte Klischees und überholte Stereotypen aufzuräumen, aber mehr dazu in einer späteren Sendung. Nun in Fortsetzung meiner vorangegangen Sendung zum Thema Swinging Ladies vom Mai 2009 kommen wieder einige herausragende Instrumentalistinnen des Faches zum Zug, etwa die Klavierdamen Barbara Carroll, Terry Pollard, Toshiko Akiyoshi, Alice Coltrane (geb. McCloud), Blossom Dearie, Carla Bley, Annette Peacock oder die Trompeterin Barbara Donald und die britische Tenoristin Kathy Stobart, die vielleicht am wenigstens bekannte Solistin. Musikbeispiele: Barbara Carroll (p): In Some Other World (Barbara Carroll) rec. 1976; Toshiko Akiyoshi (p): Blues For Toshiko (Toshiko Akiyoshi) rec. 1954; Kathy Stobart (ss): My Funny Valentine (Rogers/Hart) rec. 1976; Terry Pollard (p): Blue Room (Rodgers/Hart) rec. 1953; Blossom Dearie (p): Old Devil Moon (Burton/Lane) rec. 1953; Carla Bley (p): Closer (Carla Borg) rec. 1966; Alice Coltrane [geb. McCloud] (p): El Nutto (Terry Gibbs) rec.1963; Barbara Donald (tp): Two Trains (Bert Wilson) rec. 1969; Annette Peacock (voc, syn): I’m The One (Annette Peacock) rec. 1972