Player
Zur Zeit spielt o94 musik. Bei klick auf den Button öffnet sich der Player in einem neuen Fenster
WUK Radio
Zur Übersichtsseite von WUK Radio.
Sendung vom 12.01.2004:

WUK-Special: HipHop in Neuseeland

HipHop in Aotearoa/Neuseeland

Musik aus Neuseeland oder Aotearoa (Maoribezeichnung für Neuseeland) ist in Österreich eher unbekannt. Nur ganz wenige KünstlerInnen sind weltweit ein Name, wie etwa die Operndiva Kiri Te Kanawa. Mitte der Neunziger Jahre war es der „Otara Millionaires Club/OMC“ mit How Bizarr, der ein musikalisches Signal aus Neuseeland um die Welt sandte. Die gemischte Pazifikband „Te Vaka“ tritt immer wieder bei diversen Worldmusik-Großveranstaltungen auf. Fast unbemerkt von Europa oder doch von Österreich hat sich die Pop, Rock und HipHop-Szene im 4-Millionen-Land auf der anderen Seite der Erde ausgedehnt und diversifiziert. Besonders im Bereich HipHop gibt es eine interessante Entwicklung. Diese Musikform aus den USA wurde von den Einwanderern aus den pazifischen Inseln und von Maoris in Aotearoa aufgenommen und adaptiert. Die spezifischen Erfahrungen der ersten, zweiten und mittlerweile schon dritten Generation an Einwanderern in eine von Weißen dominierte Gesellschaft prägen den HipHop Neuseelands. Themen wie Identität, Wiederaneignung des Landes, Protest gegen Atomversuche und Umweltverschmutzung sind spezifisch pazifische Features in den Texten der HipHop-Lieder. Auch die starke Verbundenheit mit der Familie und die Bedeutung der genealogischen Herkunft spiegelt sich wider. Im Gegensatz zu den durch die Verschleppung als SklavInnen viel stärker von ihren kulturellen Wurzeln in Afrika abgeschnittenen AfroamerikanerInnen, sind sich die pazifischen Einwanderer und auch verstärkt heute wieder die einheimischen Maori ihrer Herkunft bewusst. Diese kulturelle Verortung ist in vielen Texten zu finden. Wer sind nun die KünstlerInnen, von denen in der Sendung die Rede war? Der 24jährige Malo Luafutu, alias „Scribe“, ist derzeit die Nummer Eins in Neuseeland. Er führte 2003 wochenlang die Single- (mit Stand up) und Albencharts (The Crusader) an. Sein „Stand up“ wurde zum Slogan der HipHop-Szene: „We can not stop now, New Zealand hip-hop stand the fuck up“. Neben ihm sind noch King Kapisi, Che Fu, Nesian Mystik, Mareko, Deceptikonz Vertreter des Polynesian hip hop. Brotha D, ebenfalls aus Samoa, gründete sein eigenes Plattenlabel, „Dawn Raid Entertainment“, auf dem vor allem junge pazifische KünstlerInnen herauskommen. Southside Story I und II sind 2 Produktionen, die einen guten Überblick über die Szene geben. Von den Maori HipHop Künstlern ist vor allem TeKupu bekannt. Scribe definiert sich selbst nicht als samoanischer Künstler – seine Eltern sind aus Samoa eingewandert, er selbst ist in Christchurch aufgewachsen –, sondern als junger Pacific Islander in Neuseeland und diese Erfahrungen sind in seinen Texten zu finden. South Auckland, jener Teil der größten Stadt Neuseelands, in dem fast ghettoartig ein Großteil der Pacific Islanders wohnen ist bereits ein stehender Begriff für Polynesian hip hop. Neben dem kulturellen Reichtum und der großen Musikalität, die gerade die pazifischen Einwanderer ebenso wie die Maori, in die Musik einbringen, sind es gerade auch die Probleme als gering geschätzte Minderheit in einer weißen Gesellschaft, die in den Hip Hop Liedern zum Ausdruck kommt. „Overstayer“ werden jene illegalen Einwanderer genannt, die mittels eines Touristenvisums nach Neuseeland einreisen und dann bei Verwandten oder FreundInnen Unterschlupf findend im Land bleiben. Sie sind natürlich Zielscheibe vielfältiger negativer Vorurteile gegenüber „Fremden“. Bill Urale, alias King Kapisi, ein weiterer HipHop Star mit samoanischen Eltern, machte aus der Not eine Tugend und vertreibt nun sein Kleidungslabel mit dem provokanten Namen „Overstayer“. Auch wenn im neuseeländischen HipHop und in der Musik allgemein ebenso wie überall sonst Männer dominieren, so gibt es doch auch einige interessante und erfolgreiche Künstlerinnen: Ladisix und ihr Band „Verso two“ etwa, im Popbereich ist Bic Runga einer der großen Stars. Insgesamt lohnt sich ein Blick und vielmehr natürlich noch ein Ohr auf dieses relativ kleine Land am anderen Ende der Welt zu richten. Die durch die Einwanderung vorhandene kulturelle Vielfalt wirkt sich gewinnbringend auf die Musik- und Kunstszene aus und sollte als wichtiges Argument gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die auch in Neuseeland vorhanden sind, vorgebracht werden. In diesem Sinne: „Stand up!“

Weiterführende Links: www.tekupu.com www.scribescribe.com www.dawnraid.co.nz