Kapitalismuskritik
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Sendung vom 19.05.2021 13:00:

Brecht – Vom geschmähten Kommunisten zum Dichter »deutscher Spitzenklasse«, Teil 1

Buchpräsentation aus dem Jahr 2008

Sie hören den ersten Teil einer Buchpräsentation von Wendula Dahle und Wolfgang Leyerer für das 2007 erschienene Buch: Die Geschäfte mit dem armen Bertolt Brecht.
https://www.vsa-verlag.de/nc/detail/artikel/die-geschaefte-mit-dem-armen-bb/

Es mutet heutzutage beinahe erheiternd an, was die beiden zur damaligen Selbstbeweihräucherung der Deutschen Bank und anderer Banken zu vermelden haben, die sich dabei mit Zitaten aus der Dreigroschenoper schmücken.

Über Inhalte, Interpretationen, Kunst und Politik
Manfred Wekwerth liest Brechts Manifest in Hexametern – was ist zu diesem Unterfangen zu bemerken?
Eine Analyse von Brechts Gedicht „Was ein Kind gesagt bekommt“
Kinderreime und Hexameter kann man nicht so einfach beides als „Reime“ bezeichnen – die Hexameter sind verfremdend und sinnstörend.

Über die Brecht-Rezeption:
Lange war er unbequem, weil er sich für das falsche Deutschland entscheden hatte. Nach dem Bau der Mauer 1961 gab es in der BRD ein Aufführungsverbot für seine Stücke und es war verboten, ihn an Schulen zu unterrichten.

Und dann, nach dem Ende der DDR war er plötzlich salonfähig. Seine „Kinderhymne“ wurde als mögliche Nationalhymne ins Gespräch gebracht.

Endgültig wurde er in den Pantheon deutscher Dichter aufgenommen im Brechtjahr 2006, mit einer sündteuren starbesetzten Inszenierung der Dreigroschenoper im Berliner Admiralspalast. Alles finanziert von der damals hochgeschätzten Deutschen Bank.

Vorher gab noch ein Interview mit Angela Merkel im seinerzeitigen Arbeitszimmer Brechts, wo sie auch alles tat, um ihn einzugemeinden und gleichzeitig die private Finanzierung des Spektakels zu rühmen.

Die heutige Eingemeindung Brechts geht immer mit einem „trotz“, „obwohl“ einher. Erst muß die pflichtgemäße Distanzierung erklingen, damit dann das gebotene Lob erschallen kann.

Indem man ihn als Fanatiker seines Faches, des Theaters, lobt, kann man seine politischen Inhalte als bloßen Opportunismus abtun, die er dem DDR-Regime zuliebe hineingepackt hat. So lautete zumindest die Eingemeindungs-Theorie Reich-Ranickis.

Außerdem wird er als Moralist gelobt und in seine Stücke und Erzählungen jeweils die gültige heutige Moral hineininterpretiert.
Einzig und allein die „Maßnahme“ entzieht sich diesen Uminterpretationen. Da läßt sich nichts mehr beschönigen, da zeigt sich der Stalinismus Brechts.

So auch in einer Sendung des „Literarischen Quartetts“ 2006, wo Brecht irgendwie als eine Art Dummkopf besprochen wird, weil er sein außerordentliches! Talent! ausgerechnet auf so platte politische Inhalte verschwendet hat …

(Daß sich übrigens das Publikum so wenig eingebracht hat, liegt u.a. daran, daß Brecht bei Leuten meiner Generation und vermutlich auch den Jüngeren recht unbekannt ist.
Es gab ja in Österreich den Brecht-Boykott
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Brecht-Boykott
und auch als Schulbuch-Literatur hat er sich hierzulande nie so recht durchgesetzt.)


Playlist / Zusatzinfo:

Wendula Dahle / Wolfgang Leyerer | Brecht I | 54 Min.
Lotte Lenya: Moritat vom Mackie Messer | Seeräuberjenny

Zum Nachhören